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Innsbruck ist Hardcore – besinnliches Beisammensein im LiveStage

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Fans werden von Bandmitgliedern liebevoll „Friends“ genannt. Der Leadsänger geht mit Bestem Gefühl und Vertrauen von der Bühne runter und genießt die Energie, die von den neu gewonnen Freunden rüber kommt. Wie einem Prediger lauschen diese den Worten, wie: You’re not alone. We have each other and we’ll pull through, die Ihnen viel bedeuten. Er überreicht ganz selbstverständlich sein Mikrofon weiter ans grölende Publikum. Vielen gibt die Musik Hoffnung, die Konzerte Lebensenergie. Dafür leben Hardcore Bands, deshalb gehen sie auf Tour und spielen ihre Musik – um neue Freunde zu finden, den Leuten Hoffnung zu geben, und Spaß zu haben.

Mit Vanna waren am Montag, den 08.12.2014 eine der namhaftesten Post-Hardcore-Bands der Gegenwart in Innsbruck am Start, um für ihr neues Album VOID zu werben. Als Support mit von der Partie waren beim besinnlichen Adventsingen, die sympathischen Jungs aus Lincoln, UK – Climates. Zusammen mit der Europatour von I, The Breather, gaben sich insgesamt fünf Bands die Ehre. Die Metalcore Band aus Baltimore ist gerade auf Europa-Tour mit Novelists und Shoot the Girl First.

Dass es überhaupt solche Größen der Szene nach Innsbruck verschlägt hat man engagierten und teils mutigen Eventagenturen, wie Distortion Bookings (AT) und Avocado Booking zu verdanken.

An den Besucherzahlen merkte man leider, dass eine Hardcore-Szene hierzulande schier nicht vorhanden ist. Doch trotz der wenigen Besucher gaben alle Bands ihr Bestes und hatten sichtlich Freude an dem was sie tun. Sie waren dankbar für jeden Einzelnen, der trotz des Termins unter der Woche kam.

Alle Bandmitglieder waren jeweils nach ihren Auftritten am Merch-Stand um zu Plaudern und das ein oder andere Shirt zu verticken. Dabei erfuhren wir vom Sänger der Band Novelists, Matt Gelsomino, dass Sie bisher auf Tour meist in ihrem Van übernachtet hatten. Wenn Sie doch irgendwo eine Unterkunft ergattern konnten, dann war es meisten so kalt, dass sich der sympathische Franzose erkältete. Er entschuldigte sich dafür, dass seine in Mitleidenschaft gezogenen Stimme nicht gut war – was wir nicht nachvollziehen können, denn gerade diese haben wir als sehr positiv wahrgenommen. Abschließend bedankte er sich bei uns fürs Kommen, diese Dankbarkeit beruht definitiv auf Gegenseitigkeit. Es ist bestimmt nicht leicht vor so wenigen Leuten zu spielen und trotzdem gaben die Jungs aus Frankreich ihr Bestes und überzeugten uns. Eine Kostprobe ihrer Musik wollen wir euch nicht vorenthalten.

„Are you ready to party?“
schreit der vorhin beim Bühnenaufbau noch ganz kleinlaute Alex, neuer Sänger der zweiten Band des Abends. Am Keyboard steht eine kleine entzückende Dame, die auch ganz schön laut werden kann mit ihren Screameinlagen. Sie ist die Schwester vom Songwriter und Gitarristen und wird von allen lieber behandelt, als der Bandname vermuten lässt. Shoot The Girl First, die Band mit Mitliegern aus Frankreich und den USA gab richtig Gas und heizte mit ihrem gewöhnungsbedürftigen elektronischen Sound im Live Stage gehörig ein.
Wegen der fehlenden Zeit für einen Soundcheck, mussten Soundeinstellungen teils während des ersten Songs vorgenommen werden. Dabei wurde sehr gute Arbeit geleistet und so konnten soundtechnisch so manch größere Veranstaltungen in den Schatten gestellt werden.
I, The Breather folgten auf ihre Freunde aus Frankreich. Die Band existiert in der Formation erst seit knapp einem Jahr. Trotzdem scheint es, dass sie wunderbar als Team funktionieren und auf der Bühne gut zusammen harmonieren. Leadsänger Shawn Spann hat immer wieder ums Bestehen von I, The Breather gekämpft und schließlich nähern sie sich mit dem neuen Album ,das erst seit Juni am Markt ist, dem gewünschten Erfolg. In den US Christian Album Charts beispielsweise schafft es „Life Reaper“ zumindest auf Platz sechs. Leider sind die Stagezeiten der einzelnen Bands, aufgrund der Fülle an Artists, etwas kurz. Doch zumindest eine kleine Auswahl der neuen Songs werden uns geboten, so zum Beispiel „Dear:Devil“. Mit I, The Breather ist der erste Teil des Abends auch schon wieder abgeschlossen.

„Your Moustache is fucking awesome“
Bevor Climates die Bühne betreten haben wir die Gelegenheit mit Shawn Marquis zu quatschen, seines Zeichens Bassist der Post-Hardcore Band Vanna. Aufgrund von seiner Größe und seinem zumeist recht bösen Blicks auf der Bühne könnte man vermuten, er sei Avantgarde in der bekanntlich gewalttätigen Hardcore Szene in Boston. Auch der Schriftzug „Violent Gentleman“ auf seinem Pulli lässt irgendwie darauf schließen. Als wir ihn um ein Foto bitten und seinen überaus mächtigen Moustache bewundern, ändert sich seine Miene zu einem sympathischen Lächeln und er kommt vor den Merch-Tisch um das Foto mit uns zu machen. Wir nutzen die Gelegenheit zu fragen, wie die Tour bis jetzt läuft und dabei erfahren wir unter anderem, dass er zu Hause als Security arbeitet und dort für Sicherheit auf Hardcore Konzerten sorgt. Auf einer Tour durch Australien ist ihm, wie mir auch in Erinnerung geblieben, dass Koalas zwar süß sind aber unglaublich stinken. Er erzählt außerdem, dass die Tour bisher gut läuft und er sich vor allem freut, Leute wie uns kennenlernen, sich die Welt ansehen und seine Musik spielen zu dürfen. Man sieht ihm an, dass er glücklich dabei ist, auch wenn’s nicht ganz reicht, um ausschließlich von der Musik zu leben. Das Foto, das freundlicherweise vom Roadie geknipst wurde, wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

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Zeit für Climates, die Bühne zu betreten. Auf die Burschen aus UK waren wir sehr gespannt. Mit Vanna auf Tour zu gehen bedeutet viel für eine junge Band, wie Climates. Ihren Aktivitäten auf Facebook zu Folge, sind sie offensichtlich begeistert von der Tour und dem Headliner. Leider füllte sich die Location nicht, wie erhofft, doch auch die etwas schüchtern wirkenden Engländer ließen sich nicht davon abhalten alles zu geben. Kreativität und Herzblut flossen ins neue Album, was spätestens bei den Klängen der neuen Scheibe „Leaves of Legacy“ deutlich zu hören ist.

„Tonight you own this town“
Es war soweit, mit Vanna betrat die letzte Band des Abends die Bühne. VOID ist bereits das fünfte Studioalbum der Post-Hardcore Giganten aus Boston und der erste Song der Platte eröffnet die Show des Headliners. Seit der Gründung der Band Ende 2004 gab es regen Wechsel der Mitglieder, Davey Muise ist bereits der dritte Leadsänger. Seit 2009 hat er die Ehre und mit seinem Beitritt wurde die Band immer erfolgreicher.

Es wurden fast ausschließlich Lieder vom neuen Album gespielt. Doch auch Klassiker, wie „Trashmouth“ wurden zum Besten gegeben. Bevor Digging erklang, kam Davey von der Bühne und stellte sich mitten in den Raum. Er erzählte von einer harten Zeit, die er vor sechs Jahren durchlebte und wie er es geschafft hat aus dieser wieder herauszukommen und durch die Band und seine Musik stärker als je zuvor zu werden. Die Leute lauschten seinen Worten und nickten zustimmend: „You can take the shit of this world, find a fucking shovel and bury it – stomp on the earth and keep moving“. Auf dieses emotionale Feuerwerk folgen zwei weitere Songs und am Schluss wurde noch mal dazu aufgerufen direkt vor die Bühne zu kommen zum gemeinsamen, kuscheligen Singen und Tanzen.

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Im Großen und Ganzen war der Abend ein sehr gelungener und Werbung für eine Bewegung, in der so viele Gegensätze aufeinander treffen. Auf der einen Seite die positive Energie und im nächsten Lied wird sich ordentlich gegenseitig „aufs Maul gehauen“. Für manche ist das unverständlich, zum Hardcore gehört es jedoch dazu. Was, wenn man ein Konzert mal von einem ruhigeren Blickwinkel betrachten will, gefährlich werden kann, wenn sogenannte „violent Dancer“ auf Menschen außerhalb des Moshpits, losgehen. In der Regel wird sich jedoch gegenseitig geholfen, wenn jemand stürzt oder sich jemand unabsichtlich an jemandem stößt. Auch in Innsbruck überwiegt am Ende die gute Seite des Hardcore und somit entstanden wieder neue Freundschaften und man darf hoffen, dass es künftig wieder ähnliche Veranstaltungen geben wird.

Fotos: Die Zeitlos

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