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SixtyTwenty – Das Wohnzimmer der Studenten

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„Wir gründen eine Bar!“, wer kennt ihn nicht, den Traum aller feuchtfröhlichen Nächte. Was für manche immer nur ein Traum bleiben wird, haben sich zwei Studenten aus Innsbruck erfüllt. Carmen aus der Steiermark und Wolf aus München haben im Sommer letzten Jahres das allseits bekannte Sixty Twenty am Sowicampus gekauft. Die Zeitlos hat die beiden Jungunternehmer mal genauer unter die Lupe genommen.

sixtytwenty

Wie kommt man auf die Idee, das Sixty Twenty zu kaufen und wie setzt man das dann auch tatsächlich in die Tat um?

Carmen: Prinzipiell war es immer schon ein Wunsch von uns, selbständig zu werden und wir haben ewig lang während dem Bachelorstudium darüber geredet, sei‘s nüchtern oder rauschig. Wir haben erst in Kufstein Studentenpartys veranstaltet, Lokale angemietet und immer wieder was gemacht, damals noch zu dritt. Wir beide sind dann von Kufstein nach Innsbruck für den Master (Strategisches Management, Anm. d. Red.) gekommen, doch das alte Thema war durchgehend aktuell.

Wolf: Vor ca. über einem Jahr, an der Jahreswende 2012/2013, haben wir diese Gedanken fixiert und  einfach mal geschaut, ob wir unsere eigenen Ideen und Konzepte umsetzen können. So suchten wir erst ganz unkonventionell übers Internet, Zeitungen, etc. nach möglichen Locations in Innsbruck.

Carmen: Wir hatten eigentlich immer die fixe Idee: Wir wollen ein „Wohnzimmer für Studenten“ machen und uns danach in unserer Suche orientiert. Wir haben damals auch immer schon gesagt: es sollte so ähnlich wie das Sixty sein, ohne das Sixty selber wirklich im Auge zu haben.

Wolf: Wir haben eher nach einem baufälligen Gebäude gesucht, was wir komplett von Grund auf neu aufbauen. Dann saßen wir eines Tages eben bei einem so unkonventionellen Treffen im Kapuziner und dachten, es geht eben um dieses Lokal. Dies war für uns zwar schon ein schönes Café, passte aber nicht ganz zu dem, was wir uns vorgestellt hatten. Dann aber haben uns die Herrschaften erzählt, dass sie nicht das Kapuziner, sondern das Sixty Twenty verkaufen wollen, welches ihnen auch gehört. Da sind wir innerlich erstmal ein bisschen zusammengebrochen, ohne das natürlich nach außen hin zu zeigen,

Carmen: Ich glaub das haben sie schon gemerkt, so gut haben wir‘s auch nicht versteckt.  (lacht)

Wolf: Da war der Entschluss, das Sixty zu nehmen recht schnell gefallen. Wie das dann im Endeffekt alles abgelaufen ist und bis der ganze Prozess beendet wurde, hat ewig gedauert, wobei uns da die Vorbesitzer wahnsinnig gut unterstützt haben.

Was genau habt ihr im Vergleich zum Vorgänger verändert?

Wolf: Zuerst haben wir das Programm geändert, um mehr mit Musik und Unterhaltung zu werben. Im Prinzip haben wir von der Karte her ein studentengerechtes Angebot, auch was die Preise angeht, denn wir wollen, dass die Leute zu uns kommen, um sie sich rundum wohl fühlen. Das Wohnzimmer tagsüber und die WG-Party abends: Wo man zusammen Fußball schaut, etwas trinkt und gute Musik hört. Es soll ein Bezug zwischen Gästen und Personal entstehen, das ist uns ganz wichtig und das ist auch ein Hauptpunkt, den wir verändert haben im Vergleich zum Vorgänger. Wir selber sind Studenten, das ganze Team besteht aus Studenten und diese Nähe zum Kunden ist, was Sixty ausmachen soll.

Carmen: Was wir meiner Meinung her vor allem vom Konzept her verändert haben, dass viele Leute noch mehr Freiheiten haben und das auch als „ihr Lokal“ sehen können. Wir geben jedem die Freiheiten: mach was du magst, mach deine eigene Party, hab eine gute Zeit, nimm mit was du brauchst.

Thema Finanzierung: war es Anfangs sehr schwierig für euch? Hattet ihr einen fixen Businessplan?

Wolf: Einen Businessplan, haben wir festgestellt, schreibst du eher für dich selber, um zu wissen: was hab ich alles vor, wie will ich alles machen. Das sind also deine eigenen Planungen, die sind für den Steuerberater, für dich und deine Partner interessant. Wenn du jedoch ein Darlehen brauchst, interessiert das eine Bank überhaupt nicht.  Die Bank rechnet nämlich nicht mit den Zahlen aus der Zukunft, sondern nur mit den Zahlen aus der Vergangenheit. Hier in Innsbruck nimmt die Bank z. B. Durchschnittswerte aus der Gastronomie, wobei wir uns gar nicht als Gastronomieobjekt sehen, da wir nicht das typische Touristen-Café auf der Maria-Theresien-Straße sind. Deswegen hat das alles auch sehr lange gedauert.

Carmen: Immer  ein guter Tipp für Jungunternehmer: zuerst den Steuerberater holen, bevor man ihn überhaupt braucht. Als wir unseren Finanzierungsplan zusammengeschrieben haben, sind wir vorher schon zum Steuerberater gegangen, um ein Vorgespräch zu halten. Darauf kommen die meisten erst nach einem Jahr, wenn das Geschäft eigentlich schon übernommen oder gekauft ist. Aber der Steuerberater kann ganz am Anfang genauso viel helfen, hat genauso den Einblick und kann dir auch direkt seine objektive Meinung geben.

Da nimmst du gleich eine Frage vorweg: Würdet ihr alles wieder genauso machen oder was für Tipps/Ratschläge hättet ihr für Gleichgesinnte?

sixtytwenty wolf & carmenWolf: Positiv denken. Das ist der allererste, größte und wichtigste Tipp. Es werden dir sehr viele Steine in den Weg gelegt. Auch wenn bei Erstgesprächen immer alles sehr rosig erscheint, man muss sich auch trauen, unangenehme Fragen zu stellen.  Außerdem ist es schwer sich auf andere zu verlassen. Erst ist jeder begeistert und jeder findet es toll, weil man dich natürlich als Kunden haben will. Wenn es dann aber wirklich hart auf hart kommt, können wir ehrlich gesagt an einer Hand abzählen, auf wie viele Leute wir uns wirklich verlassen konnten. Und diese sind uns bis heute noch treue und verlässliche Partner.

Carmen: Es werden hunderte Leute sagen: „Na, es geht net“ und dir Steine in den Weg legen, im Nachhinein geht’s dann doch. Es geht alles! Man muss nur einen Gewissen Druck machen. Uns haben gewisse Leute auch nicht ernst genommen, weil wir sehr jung sind. Ich war zu dem Zeitpunkt erst 22. Definitiv gibt’s hier auch kein Lob an die Banken. Wir haben alle abgeklappert und man wurde aus Prinzip nicht ernst genommen.

Wolf: Das sind Konstellationen, wo sich die Politik Gedanken machen muss, oder auch die Bankinstitute. Am Ende hilft dir nur eine Hand voll von Leuten und denen werden wir unser Leben lang dankbar sein. Das ist eine Wahnsinns Chance, die wir hier bekommen haben. Wir lernen sehr viel und es macht uns unglaublich viel Spaß.

Inwiefern hat euch euer Studium geholfen?

Carmen: Das Studium hat uns geholfen, selbstständig zu arbeiten. Auch gewisse Grundschemata:  z.B. wie macht man einen Business Plan, wie macht man das, wie macht man jenes. Den Betrieb führen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Ganze jetzt funktioniert gibt einem das Studium definitiv nicht mit!

Wolf: Vor allem das Zwischenmenschliche. Sei es mit dem Personal, Lieferanten, DJs, Gästen. Das ist in der Uni ein Foliensatz, aber wie es in der Realität stattfindet, dass jeder Mensch andere Gründe, andere Bedürfnisse hat, das musst du dir selbst und kein Professor beibringen.

Woran habt ihr im Sixty Twenty am meisten Spaß?

Wolf: Mir macht persönlich immer am meisten Spaß, wenn eine Idee sich einfach nur in einem oder mehreren Köpfen entwickelt und nach ein oder zwei Monaten, je nachdem wie groß die Idee war, sieht man das Resultat.
Und natürlich das Bar-Team, die geben uns sowohl konstruktives, also auch positives Feedback. Dieser Gesamteindruck macht unglaublich viel Spaß und das motiviert einfach.

Carmen: Wir haben von Anfang an gesagt: seid ehrlich zu uns, wir sind jetzt vorher keine Hundert Jahre Chef gewesen und machen auch unsere Fehler. Wenn irgendwas ist, haut es einfach auf den Punkt und sagt es uns. Und das machen sie auch, was für uns einen sehr großen Lerneffekt hat. Gerade bei einem so kleinen Kreis basiert alles auf einer ehrlichen Basis, die, aus der Management-Perspektive, sehr viel bringt.

Wo geht es jetzt hin mit dem Sixty Twenty, was ist als nächstes geplant?

Carmen: Die nächsten Monate werden ziemlich heiß, es kommt ja die WM. Dazu werden definitiv noch ein paar Bauarbeiten kommen, bei denen Kleinigkeiten renoviert werden.

Wolf: Eine Freundin kümmert sich noch um einen neuen Außenbereich, der jetzt im April sukzessive erweitert wird und Ende April komplett stehen soll. Es wird eben auch sehr viel in Eigenregie gebaut und dementsprechend bauen und planen wir dann, wenn wir Zeit haben.

Carmen: Jeden Mittwoch gibt es die Möglichkeit, dass Leute hier Events machen können. Das ist jedes Mal sehr spannend. Letzte Woche hatten wir z.B. Swing City, das war eine eigene Party von einem Studenten, so wie wir früher eigentlich. Er hat Lichter machen können, eigene Musik, eigene Plakate. Da haben wir einfach den Raum hergegeben und gesagt: „Mach dein Ding“. Man lernt von diesen Leuten auch etwas dazu.

Wolf: Innsbruck hat einfach in sehr vielen jungen Köpfen sehr viel Potential, was aber durch eine gewisse Grundsteifheit eingeschränkt wird. Wir hatten zwar nur eine Hand voll Leute, die uns unterstützt haben und die es mit uns zusammen durchgezogen haben, aber wir haben einfach die Chance bekommen, und deswegen wollen wir, dass einfach mehr solcher Gemeinschaftsprojekte entstehen. Damit hier mehr passiert und damit der ganze Flair ein bisschen bunter wird, wenn das so verständlich ist.

Fotos: Tobias Pircher

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