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Generation Y – nachhaltig anders oder kurzfristig besonders?

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Die Meinungen über die Generation der nach 1985 Geborenen sind bekanntermaßen vielfältig: manche sehen in ihnen Egozentriker, andere Weltverbesserer. Man ist sich aber einig, dass diese Generation anders leben und arbeiten möchte als die Generation vor ihr: Privat- und Berufsleben im Einklang, das IPhone als wichtigstes Medium zum globalen Freundeskreis und Sinn statt Reichtum sind einige der dominanten Merkmale. Aber was macht diese Generation so besonders?

Ashoka Ben&Jerrys (Large)Gegen bestehende Strukturen und Lebensweisen haben schon andere Generationen vor ihnen aufbegehrt, wie etwa die 68er, die ihren Frust in großen Demonstrationen entluden. Aber die Herausforderungen für diese Generation sind denkbar anders: neben der hohen Anzahl von kriegerischen Auseinandersetzungen, die weiterhin ein wichtiges Ziel für Entrüstung und Protest sind, gibt es  etwas das weitaus weniger greifbar ist: die zeitlich-begrenzte Aufgabe die ökologischen Grundlagen der Erde zu bewahren, Klimakatastrophen abzuwehren und die Ressourcen unseres Planeten gerecht zu verteilen.

Seit der Brundtland-Bericht 1987 die Idee der „nachhaltigen Entwicklung“ auf die wirtschaftlichen und politischen Agenden brachte, hat sich vermeintlich viel getan, um unsere ökologischen Ressourcen zu bewahren: von nachhaltigem Papier bis zu nachhaltigen Autos gibt es kaum etwas das man nicht in „nachhaltig“ bekommt. Bei näherer Betrachtung jedoch scheinen viele der Strukturen, angefangen vom überbordenden materiellen Massenkonsum, explodierenden Bevölkerkerungszahlen, bis zu steigender Ungleichheit, so gar nicht „nachhaltig“ zu sein. Begriffe wie „Rebound Effekt“ and „Backfire“ sind – ursprünglich aus der Energieökonomie stammend – für viele Lebensbereiche relevant geworden, sprich: Effizienzsteigerungen führen oft zu erhöhtem Vebrauch, können sogar den ursprünglichen Vebrauch erhöhen, wenn sich Konsumkulturen und –ökonomien nicht ändern.

Was ist nun der spezifische Beitrag der Generation Y zu gesellschaftlichem Wandel? Die Generation Y versucht Gegensätze zu vereinen, und schreckt nicht davor zurück, ihre Vorstellungen unmittelbar durchzusetzen. Ein prominentes Beispiel ist ihr Verhältnis zur Arbeit. Freunde und Familie gehen vor Karriere, „Glück schlägt Geld“ nannte es Kerstin Bund in ihrem Buch über die Generation Y. Diese Generation möchte nicht mehr an den gearbeiteten Stunden, sondern am Ergebnis gemessen werden und fragt auch immer mehr nach dem „Sinn“ in der Arbeit. Dieser Anspruch weniger zu arbeiten würde laut Studien nicht nur einem geringeren ökologischen Fußabdruck zuträglich sein, sondern würde auch mehr Zeit für politische Partizipation und Beziehungen freisetzen. Vor dem Hintergrund steigender Burnout-Zahlen und wachsender Unzufriedenheit mit dem Job, muss man den Gen-Ys berechtigt erklären, warum man an alten Arbeitsmodellen festhält. Arbeitgeber müssen zunehmend auf die Forderung der Gen-Ys reagieren.

Untersuchungen zeigen außerdem, dass diese Generation ein Faible für nachhaltige und fair hergestellte Produkte hat: in einer US Studie gaben 36% der befragten Gen-Ys an, bevorzugt ökosozial verträgliche Produkte zu kaufen – weniger als ältere Generationen, aber der Anteil unter den Gen-Ys wächst wesentlich rascher. Der materielle Konsum scheint ohnehin eine untergeordnete Rolle bei den Gen-Ys zu spielen. Das Smartphone als Dreh-und Angelpunkt der sozialen Sphäre, ersetzt den protzigen Dienstwagen als Statussymbol, und ermöglicht den grenzenlosen Zugang zu einer Fülle an immateriellen Dienstleistungen – von spotify bis zu netflix.

Anders konsumieren ist schön, gar nicht konsumieren besser – zumindest im Sinne der nachhaltigen Entwicklung. Die momentan sehr populären Share-Economy Modelle tragen dazu bei materiellen Konsumzu reduzieren. Oft sind es junge Sozialunternehmer/innen, die neue Modelle des Miteinanders und entsprechende Märkte schaffen. Ashoka Fellow Casey Fenton, Gründer von Couchsurfing, hat die Potenziale von direkteren und persönlicheren Formen des Tourismus sichtbar gemacht. Plattformen wie Airbnb haben daraus einen millionenschweren Markt gemacht, und ermöglichen es den User/innen nicht nur preisgünstig in vielen Städten der Welt zu übernachten, sondern sich auch mit den Vermieter/innen auszutauschen und neue Freundschaften zu schließen. Neben Carsharing oder Mitfahrgelegenheitsplattformen schießen immer mehr Apps und Start-Ups aus dem Boden, die auf das Sharing Konzept aufbauen: Fragnebenan aus Österreich, das die nachbarschaftlichen Beziehungen durch Tauschen fördert oder die österreichische App Buddy Me,die Menschen für gemeinsame Aktivitäten zusammenbringt, sind nur einige der Beispiele, die dem Trend des Teilens folgen.

Diese Initiativen werden oft von Menschen der Generation Y gegründet – viele wollen längst nicht mehr darauf warten, dass sich die bestehenden Strukturen auf ihre Bedürfnisse einstellen und machen ihr eigenes Ding. Das ist wohl eines der markantesten Eigenschaften dieser Generation: Sie wollen etwas aufbauen, selbst anpacken, und gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten. Unter diesen jungen Gründer/innen finden sich neue Ansätze, die ökologische und soziale Probleme zu lösen versuchen. Wettbewerbe wie „Bist du der nächste Ben & Jerry’s?“, der gemeinsam von Ashoka, einem weltweiten Sozialunternehmer/innen-Netzwerk und dem Fair Trade Eisproduzenten Ben & Jerry’s in Österreich (und quer durch Europa)veranstaltet wird, tragen dazu bei, diese jungen Talente sichtbar zu machen. Die Teilnehmer/innen gehen die verschiedensten Themen an: talentify bekämpft die soziale Ungleichheit im österreichischen Bildungssystem durch „Schüler helfen Schüler-Programme“ und Talent-Förderung; der „Leila“, vernetzt Menschen und bietet ihnen die Infrastruktur um verschiedenste Dinge (z.B. Zelte oder Bohrmaschinen) zu teilen um dadurch Ressourcen einzusparen; oder WGe!, bringt junge Wohnungssuchende mit kleinem Budget und ältere Mitbürger/innen, die Hilfe im Haushalt benötigen, zusammen, und hilft damit nicht nur dem intergenerationellen Dialog, sondern auch der effizienteren Nutzung von Wohnraum.

Diese jungen Menschen haben sich entschieden, Veränderung selbst in die Hand zu nehmen. Kein Wunder, denn nach einer aktuellen Deloitte Studie sind viele der Gen-Ys von Wirtschaft und Regierungen enttäuscht, wie mit den drängendsten ökologischen und sozialen Problemen umgegangen wird. Es besteht die Möglichkeit, dass die Sinnsuche und das Bedürfnis nach Freizeit dieser Generation zu einer „Realitätsflucht“ im Stile eines Biedermeiers verkommt – Aufbau von „Parallelwelten“ mit eingeschlossen (www.zeit.de). Politik und Wirtschaft brauchen die kreativen Ideen und den Drang nach Veränderung, den die Generation Y einfordert. Den Gen-Ys Gestaltungs- und Teilnahmemöglichkeiten zu bieten, ist Grundvoraussetzung für die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft.  Denn: Diese Generation weiß, dass sie nachhaltig leben und arbeiten muss, damit es eine Zukunft gibt.

Über den Wettbewerb:

Ashoka sucht gemeinsam mit Ben & Jerry’s nach jungen Sozialunternehmer/innen in Österreich. Gefragt sind junge, engagierte Talente unter 35, die mit ihrer Organisation ein gesellschaftliches und/oder ökologisches Problem lösen. Alle, die ihre Chance auf die 10.000 Euro Preisgeld und 6 Monate Ashoka Mentoring wahrnehmen wollen, können sich noch bis zum 15. Oktober unter www.joinourcore.com anmelden.

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Ashoka.

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