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Reisen als Frau – Mein Abenteuer in Südostasien

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Mit dem Bachelor in der Tasche und dem Rucksack auf dem Rücken machte ich mich Anfang Oktober, gleich nach der Bachelorprüfung, gemeinsam mit zwei Freundinnen auf eine Reise in eine andere Welt auf. Unsere Reise führte uns von Borneo und Indonesien, über Vietnam, Laos und Thailand nach Kambodscha und Sri Lanka.Reisen als Frau

Beim Start des Flugzeugs nahm mein Herz sofort den Asien-Beat auf. Der Puls beschleunigt sich und erreicht seine normale Frequenz erst am Ende der Reise wieder. Im Jahr zuvor hatte ich bereits ein Stück meines Herzens während meines Auslandssemesters in Neu Delhi an diesen Kontinent verloren. Indien war laut, bunt, intensiv, verrückt, befreiend und erdrückend zu gleich. Indien war einfach extrem. Doch diesmal war ich nicht in Asien um zu leben und zu studieren, diesmal wollte ich reisen! Schon bei unserer Reiseplanung hatten wir festgelegt, dass unser Plan ist, keinen Plan zu haben. Denn der Sinn des Reisen ist für mich nicht an ein Ziel zukommen, der Sinn des Reisens ist für mich, unterwegs zu sein.

Nach einem 50stündigen Flug mit Zwischenstopps in Kairo, Bangkok und Kuala Lumpur kamen wir erschöpft und glücklich in Borneo an. Borneo, die drittgrößte Insel der Welt, ist geopolitisch zwischen den drei Staaten Malaysia, Indonesien und Brunei aufgeteilt. Voller Stolz wurde uns gleich am ersten Tag mitgeteilt, dass wir uns zur besten Reisezeit in Borneo befinden, da Trockenzeit ist und es daher nur 25 Tage im Monat regnet. Zuerst hatten wir geglaubt, wir hätten uns verhört. Als es dann wirklich 10 Tage wie aus Eimern schüttete, beschlossen wir Borneo frühzeitig den Rücken zu kehren und dafür mehr Zeit in Indonesien verbringen.

Reisen als Frau 2Indonesien ist der weltgrößte Inselstaat (17508 Inseln) sowie mit 240 Millionen Einwohnern das Land mit der viertgrößten Bevölkerung der Welt. Was aber viele nicht wissen ist, dass Indonesien der Staat mit der größten Anzahl an muslimischen Einwohnern ist. Bereits im Flugzeug fiel uns auf, dass die Flugbegleiterinnen Kopftücher trugen und auch viele andere Mitreisende dieser Tradition folgten. Im süßen, kleinen Dorf Moni in der Nähe des berühmten Kelimutu Vulkans wurde uns vor Augen geführt, wie gut verschiedene Religionen nebeneinander wohnen und leben können. Wir wurden gleich zur muslimischen Hochzeit der Schwägerin der Schwester der Nachbarin unserer Vermieterin eingeladen, zu der auch etliche andere Dorfbewohner verschiedenster Glaubensrichtungen eingeladen waren. Mit der geliehenen, traditionellen Robe in Form eines schönen Sarongs und einer weniger schönen blass-orangen Bluse waren wir der Mittelpunkt der Feier und sollten erst mal ein Geburtstagsständchen von uns geben. Mit einiger Überzeugungskraft konnten wir die Hochzeitsgäste davon überzeugen, dass unsere Tanzkünste um einiges besser waren als unser Gesang, mussten dies dann aber auch gleich beweisen. So hieß es für uns gemeinsam mit zwölf anderen indonesischen Frauen: ab auf die Tanzfläche. Und tatsächlich schwangen Alt und Jung, mit ihrem Kopftuch um die Hüfte gebunden, das Tanzbein zu Shakira und Katy Perry! Schon irgendwie komisch, als dann die Männer in den ersten Reihen sitzen blieben und uns Frauen mit großen Augen dabei zusahen.

Als Frau im größten muslimischen Land der Welt zu reisen, stellte sich als sehr interessant heraus. Im Vorhinein hatte ich auch meine Bedenken, welche sich aber bei der Ankunft sofort als unbegründet herausstellten. Die Menschen in Indonesien begegneten uns mit größter Gastfreundschaft, viel Herz und waren auch an unserer Religion und Kultur höchst interessiert. Natürlich fielen wir als allein reisende, europäische Mädchen sofort auf und so manches Mal wurden uns auch Fragen wie „Warum seid ihr mit 24 noch nicht verheiratet?“ oder „Wo ist dein Ehemann?“ gestellt. Doch statt unsere Religion und Kultur abzulehnen, waren die Menschen eher neugierig und interessiert. Trotzdem sollte man in der Region doch seine Kleidung und auch sein Verhalten an die vorherrschenden Begebenheiten anpassen. Im sehr konservativen Flores (Ost-Indonesien) sollten Frauen beispielsweise nicht unbedingt ein Kleid oder kurze Hosen und T-Shirts ohne Ärmel anziehen. Aufreizende Kleidung lehnen hier übrigens nicht nur Muslime, sondern auch die Katholiken ab. Auch im hinduistischen Bali sollte in ländlicheren Regionen auf passende Kleidung geachtet werden, kurze Hosen zum Beispiel werden in einem Tempel als Beleidigung angesehen. Abhilfe kann ein wunderschöner, für Bali bekannter, Sarong schaffen.

Reisen als Frau 4Nach dem wir Bali und Java noch ausführlich erkundet hatten flogen wir Mitte November nach Vietnam. Sofort spürten wir, dass in diesem Land ein anderer Wind weht. Die Menschen waren ernster, verschlossener und zurückhaltender. Uns fehlten das freundliche Lächeln und das fröhliche Getuschel, welches wir noch aus Indonesien gewohnt waren. In Saigon erwartete uns dann auch unsere erste, wirklich negative Erfahrung. Bei einer gemütlichen Radtour wurde mir meine Tasche mit samt Spiegelreflexkamera, Geldtasche und anderen Wertgegenständen von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer weggerissen und gestohlen. Allgemein fühlten wir uns als Frauen auch im Alltag nicht unbedingt geschätzt und ernst genommen. Die Tuktuk-Fahrer ignorierten uns beispielsweise und waren erst nach anstrengenden Verhandlungen bereit uns zu überhöhten Preisen mitzunehmen. Vielleicht haben wir Vietnam aber auch keine wirkliche Chance mehr gegeben, da wir eine Woche nach dem Diebstahl das Land verließen. Diese Vorfälle schüttelten uns von unseren rosaroten Reisewolken und ließ uns in der Realität unsanft aufprallen.

Wir hatten uns wohl schon so an unser unbekümmertes Backpacker-Leben gewöhnt, dass wir die einfachsten Regeln des Reisens vergessen hatten. Die wichtigsten Dokumente und Geld sollten immer in einem Bauch- oder Brustbeutel getragen werden, Wertgegenstände wie Kamera oder Laptop im Hotel/Hostel Safe verwahrt werden. Ich habe mich in Indien fünf Monate frei bewegt, und nicht sehr auf meine Sachen geachtet und bin trotzdem nie bestohlen worden oder habe nie etwas verloren. Kaum bin ich in einem als sicherer eingestuften Land werde ich bestohlen. Wir haben das Nachtleben Neu-Delhis in größten Zügen ausgekostet und nichts Negatives erlebt. Und doch zeigt mir die Realität, sowie Zeitungsberichte, dass vieles einfach von Glück abhängt. Falsche Zeit, falscher Ort, falsche Menschen und deine Reise kann zu einem Albtraum werden. Aus diesem Grund finde ich es beim Reisen besonders wichtig, viele Faktoren schon von vornherein möglichst positiv zu beeinflussen. Damit gemeint sind zum Beispiel die Anpassung an Kleidung, Verhalten und auch eine gewisse Sensibilität für die Sicherheits- und Gefahrenzustände des betreffenden Landes. Möchte man auf seinen Reisen nicht auffallen oder ständig mit Fragen gelöchert werden, sollte man als Frau Länder wie Indien, Indonesien oder Sri Lanka allgemein vermeiden. Für diejenigen, die gerne im Schutz der Masse verschwinden, eignet sich Thailand, Vietnam und teilweise Kambodscha sehr gut als Reiseziel.

Reisen als Frau 3Ich auf jeden Fall habe jedem der bereisten Länder ein Stück meines Herzens geschenkt und jedes Land auf individuelle Weise genossen und geschätzt. Den Regen in Borneo, das Lachen in Indonesien, Kultur und Geschichte in Vietnam, die Entspanntheit in Laos, Trubel und Party in Thailand, die Tempel in Kambodscha, Ayurveda und Zug Fahren in Sri Lanka. Blicke ich aus heutiger Sicht auf meine Zeit in Asien zurück, möchte ich keine Sekunde missen, weder meines Auslandssemesters in Indien noch meine Südostasien-Reise. Das Spüren von Wertschätzung, Respekt, Geduld, Zufriedenheit, Entspannung, Glück und Bescheidenheit sind nur einige Dinge, welche mein Leben verändert haben.

 

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