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Wo jeder Weg endet – Trailrunning

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Die Sportartikelindustrie hat vor ein paar Jahren einen neuen Sommersport für sich entdeckt, das Trailrunning. Dies hat zur Folge, dass ein ehemaliger Nischensport immer mehr Bekanntheit bekommt und laufend mehr Anhänger findet. Diese Bekanntheit bildet sich auch an der medialen Aufmerksamkeit ab, so gab es zum Beispiel einen längeren Beitrag in der Men’s Health und sogar die Süddeutsche Zeitung widmete dem Sport einen Artikel. Frägt man verschiedene Leute was sie von Trailrunning halten, bekommt man die verschiedensten Antworten zu hören, von „noch nie gehört“, über „solche Verrückten“ bis hin zu „geilste Sache der Welt“.

Traillaufen

Zuerst sollte man wohl erklären was denn Trailrunning überhaupt ist. Übersetzt man Trailrunning wortwörtlich als Pfadlaufen, kommt man der Definition schon relativ Nahe. Des Weiteren kann die Sportart noch in drei Kategorien unterteilen. Bei dem Cross-Running nutzt der Läufer nur Wald-, Schotter- und Wiesenwegen und startet oft direkt von der Haustüre aus. Beim Cross-Trail werden in den Bergen auf meist längeren Strecken möglichst viele Höhenmeter auf markierten Wegen gesammelt. Das Trail-Adventure bezeichnet die Fortbewegung im weglosen Gelände. Eine genauere Definition oder Unterteilung wird man nicht mehr finden, da der Sport relativ offen gehalten ist und es jedem Sportler freisteht, sich selbst eine Definition zu finden.

Traillaufen 2Wie bei jeder Sportart, sei es nun Fußball, Handball, Freeskiing oder Schach gibt es auch beim Trailrunnig Wettkämpfe. Die Distanzen gehen oftmals über die magische Marathondistanz hinaus und sind meist auch mit richtig vielen Höhenmetern gespickt. Der vermutlich bekannteste Wettkampf ist der UTMB (Ultratrail du Mont-Blanc) bei dem die Distanz von 168 Kilometern und 9600 Höhenmetern innerhalb des Zeitlimits von 46 Stunden gelaufen werden muss. Ein weiterer sehr bekannter Lauf ist der Transalpine-Run bei dem die Alpen innerhalb von 8 Etappen in Zweierteams durchquert werden. Dieses Jahr müssen die Wettkämpfer 293 Kilometer und knapp 14000 Höhenmeter laufen.

Das Equipment beim Trailrunning ist nicht wirklich umfangreich und passt deshalb auch bei jeder Reise in das Gepäck. Dazu gehören Laufschuhe, die sich von gewöhnlichen Laufschuhen durch das robustere Obermaterial unterscheiden. Um bei Nässe oder in schwierigem Gelände den Halt gewährleisten zu können, sind diese dazu noch an der Sohle mit groben Stollen profiliert. Neben den Schuhen ist auch atmungsaktive und leichte Kleidung von Vorteil, da Trailrunning sehr schweißtreibend sein kann und man deshalb möglichst wenig Gewicht mit sich rumtragen will. Ein Laufrucksack ist vor allem bei längeren Läufen von Vorteil, in diesem werden Trinken, ein Snack und eventuell Wechselkleidung platzsparend verstaut. Stöcke, meist faltbar und aus Carbon, können das Laufen in den Bergen sehr viel einfacher machen.

Welche Auswirkungen hat Trailrunning auf den Sportler?

Wie auch beim normalen Laufen auf der Straße wird natürlich zu allererst die Ausdauer des Sportlers verbessert. Beim Laufen auf Wegen und Pfaden in der Natur wird aber, im Gegensatz zum Laufen auf der Straße, zusätzlich die Koordination des Läufers geschult, da sich die Beschaffenheit des Untergrunds ständig ändert. Dies ist auch ein interessanter Nebenaspekt für Mannschaftssportler, welche einen Ausgleichssport suchen. Ein weiteres Resultat der verschiedenen Bodenuntergründe und Steigungen ist die Beanspruchung verschiedenster Muskelgruppen, so ist Trailrunning eine Ganzkörpersportart. Es werden unter anderem Atem-, Bein-, Rumpf- und Oberkörpermuskulatur trainiert. Einem Grundsatz zu Folge wird mehr Energie verbrannt, je mehr Muskeln an der Bewegung beteiligt sind. Es gibt wenige Sportarten, welche einen größeren Energieaufwand haben als Trailrunning, somit ist es der perfekte Sport wenn man sein Gewicht halten oder sogar abnehmen will. Letztere Gruppe sollte vor Aufnahme des Sports allerdings unbedingt mit dem Arzt eventuelle Einschränkungen abklären. Als letzte biologische Auswirkung sollte man die Stärkung des Immunsystems nennen, denn dieses wird durch die Bewegung stimuliert und dadurch widerstandsfähiger gegenüber Krankheitserregern.

Trailrunning 3Die psychischen Auswirkungen des Trailrunning lassen sich nicht so einfach messen. Es gibt einige Studien, welche die positiven psychischen Auswirkungen des Laufens aufzeigen. Beim Laufen werden Hormone wie zum Beispiel Noradrenalin, Serotonin oder Dopamin ausgeschüttet. Noradrenalin ist ein Hormon, welches mitverantwortlich für den psychischen Zustand eines Menschen ist, bei Mangel treten zum Beispiel Konzentrationsschwäche und ein Abfall von Motivation auf. Mit Serotonin wird in der Pharmabranche viel Geld verdient, so sollen Antidepressiva die Ausschüttung von diesem Hormon ankurbeln. Dopamin wird auch Hormon der kreativen Menschen genannt und ist der Grund für Gedankenblitze während des Laufens.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Trailrunning quasi als kostenlose und legale Antidepressiva-, sowie Neuro-Enhancement-Therapie wirkt und die gleiche Wirkung wie etwa die Einnahme von Kokain haben kann (Ausschüttung von Dopamin).

Jeder erinnert sich gerne zurück an die Kindheit, als die Welt noch „in Ordnung“ war. Derzeit sind beispielsweise 90er-Parties sehr angesagt, wo die Musik der Kindheit/Jugend läuft und man sich wieder ein bisschen in die Vergangenheit versetzt fühlt. Ich fühle mich zurück in meine Kindheit versetzt, wenn ich völlig schlammverschmiert und dreckig nach einem Lauf durch den Wald im strömenden Regen nach Hause komme. Beim Laufen hat man keinen Stress, Zeitdruck oder irgendwelche Vorschriften, das einzige was es auf den Pfaden und Wegen gibt sind die Laufschuhe, die Natur und dich selbst.

Man sagt immer der erste Schritt sei der härteste, also schnürt die Laufschuhe und lauft los.

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Dem Autor auf seinem Blog folgen.

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