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Großstadtjungle: Spektakel Öffis. Vom kleinen Dorf rein in die große Stadt.

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Seit einigen Jahren, nämlich seit ich einer akademischen Ausbildung nachgehe, wohne ich in der Großstadt. Innsbruck selbst wird zwar des öfteren als großes Dorf bezeichnet- für mich als Landei war es anfangs aber die größte Metropole. Man bemerke an dieser Stelle, dass mein Heimatdorf ein kleiner Weiler mit 200 Einwohnern ist, welche gemeinsam eine Anzahl von Lebensjahren um die 13.000 zusammenkriegen.Großstadtdschungel

In meinem Dorf gibt es schon auch einen Bus.

Dieser verkehrt an Wochentagen etwa fünf Mal, am Wochenende drei Mal am Tag.

Nicht in der Stunde.

Ist aber auch kein großes Problem, denn bei Erika gibt es Milch und Eier, in der Schaukäserei hausgemachte Käseprodukte und das Gemüse und die Tiere wachsen hinterm Haus. Und volllaufen lassen kann man sich auch bei Erika- dem Vorbild der Wirtin höchstpersönlich folgend.

Wie dem auch sei- nach meiner Matura (Abitur) verschlug es mich in die große weite Welt, nämlich nach Innsbruck. Dort gibt es Busse, welche alle fünf Minuten verkehren! Nach einem Jahr mit diesem Luxus war es des öfteren eine Zumutung, wenn man vier Minuten an der Bushaltestelle warten musste. Zwar lag dies einerseits im Falle der Bushaltestelle meines Herzens an der sehr freundlichen Frau, welche zu vergessen schien, dass die Antwort auf ihre Frage ,Tschuldigung- deafi Sie wos frogn? Homb Sie vielleicht a boa Cent für mi?‘ stets ,NA!‘ war oder an der noch freundlicheren Dame, die jedem, der ihr Sichtfeld störte, eine mit ihrem Stock verpasste- andererseits kann man es auch darauf schieben, dass der Mensch ein schimpfendes Gewohnheitstier ist und es als Tragödie sieht, wenn der Bus einem vor der Nase wegfährt und man dann einige wertvolle Minuten des stressigen Studentenlebens dem sinnfreien Daseins des Wartens schenken muss.

Währenddessen man an all die armen Dorfkinder von daheim denken kann. Oder sich über gewisse davon ärgern, wie beispielsweise über Lena. Lena bekam einst zu Ostern in einem Alter von vier Jahren ein Kindermoped. Und weil der Bus nicht öfter fuhr, fuhr Lena mit dem Kindermoped herum. Den ganzen Tag. Es war ein lautes Kindermoped. Nachdem Lena auf Ponies umgesattelt hatte kam ihr Bruder Sebastian zur Welt. Drei Jahre war wieder Ruhe im Dorf, dann wurde das Kindermoped wieder gestartet.

Und schon war der nächste Bus eingefahren, wunderbar!

Einsteigen, hinsetzen, abschalten, fahren. Doch des öfteren ist dem nicht so. Denn manchmal gesellen sich manch lustige Gestalten an den Platz neben, vor oder hinter einem. In den ersten Wochen wurde ich erstmals in meinem Leben mit einer Person konfrontiert, die anscheinend an einer Krankheit litt, von welcher ich zuvor noch nie gehört hatte. Ich wurde früh morgens um halb zwölf im Bus wild beschimpft. Dumme Sau war verhältnismäßig ein eher lieblicher Ausdruck.

Dann trifft man auf seiner Reise durch die Stadt manchmal auch auf die eine oder andere alkoholisierte Person. Eine davon hatte an einem Nachmittag im November leicht über den Durst getrunken und verwechselte den fahrenden Bus wohl mit einer Achterbahn. Es ging auf und ab, wuuuuuuhh war sein Kommentar dazu. Auch das Bier in seiner Hand ging auf und ab als es noch zu war. Als es offen war erfolgte eine Bierdusche, welche nicht nur den Herren selbst traf, sondern auch die Frau auf dem nahegelegenen Sitz. Leider war es nicht die Frau mit dem Stock. Deshalb war der einzige, der das lustig fand, der Mann selbst. Nicht einmal der Busfahrer musste lachen- nein. Es blieb rasant stehen, Ende der Achterbahn. Tür auf, plumps, Mann raus, plumps.

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