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Verkommerzialisierung der Musik

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Es gibt gute und schlechte Überraschungen. Eine gute war jene, dass der DJ auf der Sommerparty, zu der ich stieß, nachdem ich eine Horrorprüfung bestanden hatte, genau meinen Lieblingssong spielte, was in diesem Moment für mich wie Standingovations, wie ein tobender Applaus nur für mich geklatscht war. Eine schlechte Überraschung hingegen war, als ich im letzten Urlaub in Spanien am Strand liegend erfuhr, dass Amy Winehouse einem bestimmten Klub beigetreten war, dessen Mitglieder auch Kurt Cobain, Janis Joplin und Jimi Hendrix sind: dem Klub 27. Komischerweise muss man für den Eintritt in diesen nicht eine Gebühr zahlen oder eine Mutprobe bestehen- es ist viel „leichter“: man muss nur zuerst ein Star mit gelobtem, gottgegebenem Talent sein, einen rasanten Aufstieg in der Rockmusikbranche hinlegen, danach mit diversen nicht sehr gesunden Aktionen Aufsehen erregen und dann nicht das Gras in Papier wickeln und anzünden, sondern hinein beißen.
Amy Winehouse also: entdeckt von Mark Ronson, gelobt und hoch gepriesen von diversen Musikkritikern und Journalisten, mit diversen Auszeichnungen (u.a. 5 Grammies) prämiert. Die kleine Dame mit der großen Frisur legte einen rasanten Aufstieg hin, keine Frage! Doch der Fall war ebenso rasant. Von musikalischen Höchstleistungen war in den letzten zwei Jahren kaum mehr die Rede. Drogen, Alkohol und Tabletten stahlen diesen in den Schlagzeilen die Show: Konzertabsagen wegen Einweisungen in Entzugsanstalten, bei der Verleihung ihrer Grammies konnte sie nicht persönlich teilnehmen da sie kein Visum bekam, da sie Drogen im Gepäck hatte und und und.
Amy Jade Winehouse ist, wie wir alle wissen, leider kein Einzelfall. Sehr viele junge Künstler scheinen den schnellen großen Ruhm nicht zu ertragen. Beziehungsweise schon zu ertragen, aber nur mit bestimmten bewusstseinserweiternden Substanzen im Blut. Man denke an Pete Doherty. Oder wie er sich seit Jahresbeginn nennt: Peter Doherty. Seinen Ruhm verdankt der Herr vielleicht DEM Topmodel unseres Jahrhunderts. Seit neuestem verheiratet mit einem anderen Rockmusiker, am Rande sei erwähnt dass auch Kate Moss im Bereich Drogen kein unbeschriebenes Blatt ist. Peter Doherty ist meinem Geschmack nach ein sehr viel besserer Künstler als Songs wie „Fuck Forever“ oder „Delivery“ vermuten lassen würden, man höre am besten in „The Libertines“ von The Libertines rein, oder verbringe einen Abend mit der MTV Akustik Session von Pete Doherty. Danach ist einem klar, dass man einen gebrechlichen Mann im teuren Designeranzug vor sich hat, der viel mehr drauf hat als man häufig liest. Ob die Drogen in seinem Fall als eine Flucht aus einer für ihn zu bizarren Welt, oder umgekehrt- eine Flucht aus einer zu grauen Welt in eine „andere“ zu betrachten sind, ist fraglich. Vielleicht sind diese Substanzen auch einfach Teil seiner Marketingtaktik. Denn so spricht man über ihn, und dies ist wohl für Künstler das große Ziel.
Von sich reden machen, in den Schlagzeilen sein. Die MTV-Generation: berühmt werden um jeden Preis. Manche, mir fällt gerade mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht Tila Tequila ein, machen sich die Vermarktung ihrer selbst zum großen Lebensziel. Die vietnamesische Dame legte sich nach einer ausgiebigen Zielgruppenanalyse auf zwei Menschengruppen fest. Ihren Durchbruch feierte sie unter anderem als Model für Magazine wie Penthouse und den Playboy. Desweiteren auch durch eine TV-Show mit „sehr hohem Niveau“ und dem Namen „A Shot At Love“ und dem zweiten Teil dieser Sendung „A Double Shot At Love“ auf MTV, die vorrangig durch Jugendliche allerorts gesehen wurde. So konnte Franz, 15, mit seinem Vater Peter, 55, über ein und dieselbe Frau sprechen, alles war gut. Alles geben, alles zeigen- eine Strategie die bei einigen Sternchen unserer Zeit aufging. Das Ausziehen ist generell allseits sehr beliebt und eine sehr gute Taktik: Jessica Biel zum Beispiel wurde berühmt durch die Serie „Eine himmlische Familie“. Danach war sie „nur“ die nette Mary Camden aus der perfekten Familie. Die kesse Jessy nervte das, sie beschloss, die Hüllen fallen zu lassen und was danach kam war Justin Timberlake, diverse Filmrollen und eine Auszeichnung zur „Sexiest Woman Alive“. Auch Daniela Katzenberger lies die Hüllen fallen. Ebenfalls sehr interessant, kommen wir aber trotzdem weiter zum nächsten Thema. Oder besser gesagt: wir bleiben noch beim gleichen, gehen es aber nicht mit dem Hüllen-fallen-lassen an, sondern mit dem upcoming Trend der extremen Hüllen. Besser gesagt, kommen wir zur Geschichte „Lady Gaga und das Fleischkleid“.

Lady Gaga

(c) ladygaga.com

Es war einmal eine junge Dame mit italienischen Wurzeln und dem Namen Stefani Joanne Angelina Germanotta. Anfangs konnte man sie, wenn man wollte, in New Yorker Go-Go Clubs an der Stange begutachten. Im Verlauf der weiteren Jahre folgten viele Zufälle, und so wie das Schicksal es mit der Dame wollte machte sie das Album „The Fame“ im Jahre 2008 zu einer sehr einflussreichen, wenn nicht überhaupt zur einflussreichsten Künstlerin unserer Zeit. Vielerorts ist die Amerikanerin sehr beliebt, wird als Vorbild für neue aufstrebende Künstlern angesehen und Unmengen von Teenagern und auch anderen Menschen kleistern sich die Dame gerne an die Wand oder besuchen ihre Auftritte. Das Album „Born This Way“, welches in diesem Jahr im Februar auf den Markt kam, verkaufte sich binnen weniger Stunden via verschiedene Downloadportale im Internet mehrere 100.000 Male, ihre Musikvideos wurden auf dem Portal YouTube über eine Milliarde Male aufgerufen, was zuvor in unserer Zeitgeschichte noch keinem Künstler gelungen war. Der Hype ist groß, doch ist es wirklich die Musik, die Stefani so interessant macht? Meine Antwort auf diese Frage: Nein. Lady Gaga ist ein wandelndes Kunstwerk, ohne Frage. Sie selbst sagt, es sei ihr Ziel, die Popmusik zu revolutionieren. Andere sagen, sie sei eine Mischung aus Madonna als diese noch gut war, Gwen Stefani zu Zeiten von „Hollaback Girl“ und Grace Jones. Und ich sage: Lady Gaga ist nicht die neue Popqueen sondern die Queen der Selbstvermarktung und -darstellung. Über ihre Musik lässt sich streiten, dass gewisse Songs Ohrwurmqualitäten haben ist unumstritten. Auch wenn ihre Musik bei mir persönlich weder Gänsehaut noch Glücksgefühle oder Tränenausbrüche bewirkt- man muss sagen, dass Gaga nahezu alles richtig macht. Songs wie „Pokerface“ oder „Bad Romance“ werden wahrscheinlich nicht in die Musikgeschichte eingehen wie beispielsweise „Hotel California“ von den Eagles oder „London Calling“ von The Clash, sie treffen aber eindeutig den Nerv unserer Zeit. Dass Musik längst nicht alles ist was vor ihren Auftritten komponiert und kreiert werden muss wissen wir alle. Denn heutzutage reicht es nicht mehr, sich wie einst Tina Turner oder Aretha Franklin mit einem Mikro und einem schwarzen Kleid auf die Bühne zu stellen und loszusingen. Gute Stimme hin oder her, die Leute wollen mehr. Singen können viele. Schwarze Kleider anziehen noch mehr. Sich in die Mitte einer Showbühne positionieren auch recht viele, Sonderfälle wie David Hasselhoff ausgenommen. Aber never hassle the hoff, also zurück zum Thema: wir Leute hier draußen sind nicht so leicht zufriedenzustellen. Wir sehen alle täglich genug Dinge in unserem Alltag. Schalten wir die Glotze ein oder verabreden uns zu einem Konzert, so wollen wir etwas geboten haben. Wir wollen das Spektakel. Alles soll bunt sein, anders. Es soll laut und intensiv sein. Am besten wäre es, wenn nach einem Musikvideo oder einem Liveauftritt der Meute der Mund offen stehen bleiben würde. Dass es ein unvergesslicher Moment gewesen wäre. Und dies ist heute aus eben dem Grund, dass wir ständig mit so vielen neuen tollen Dingen konfrontiert werden, gar nicht mehr so einfach. Lady Gaga schockte daher unlängst damit, dass sie in einem Meerjungfrauenkostüm im Rollstuhl über die Bühne rollte. Die Leute schauten, so etwas hatten sie vorher wohl selten gesehen. Einige Monate zuvor marschierte sie in einem Kleid aus Fleisch über den roten Teppich, was auch als eher ungewöhnlich angesehen wurde. Diese Aktionen blieben in den Medien nicht unkritisiert, das Ziel war aber dennoch erreicht: man sprach über sie. Man spricht auch über Marilyn Manson, dessen Name sich aus Marilyn, wie Marilyn Monroe der Ikoe und Manson, wegen Charles Manson einem Massenmörder zusammen setzt. Nicht Sache der Einstellung, sondern Sache des Hypes. Sprich, in welche zwei Richtungen jener gehen kann. Jimi Hendrix zerschlug Gitarren auf der Bühne. Sen Dog von Cypress Hill fiel nach Konsum von mehreren Joints auf der Bühne von eben dieser. All jene Künstler bleiben uns nicht nur wegen ihrer Musikproduktionen im Kopf. Musik ist nicht nur Ton und Wort in Kombination, anders sein ist besser sein. Go big or go home!

 

von Daniela Schwaiger

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