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Ungarn – Magyarország

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Was ist das Erste, woran man bei dem Land Ungarn denkt?

„Gulasch!“, war die häufigste Antwort, die mir gegeben wurde. Ungarn hat aber viel mehr als ‚nur‘ Gulasch, billige Schönheitsfarmen, Thermenhotels oder günstige Shoppingtouren zu bieten.

Um ein paar geläufige Irrglauben aufzuklären, widme ich mich nun den offensichtlichsten Themen: der ungarischen Sprache, dem Gulasch und der Topographie des Landes.

Solange ich mich an Gespräche über die ungarische Sprache mit Österreichern bzw. Deutschsprachigen erinnern kann, behauptete ein erstaunlicher Anteil, dass sie eine slawische Sprache sei. Weit gefehlt!
Ungarisch gehört zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachfamilie.
Obwohl Finnisch auch aus derselben stammt, haben die Sprachen, abgesehen von grammatikalischen Eigenheiten, ein paar Wörtern und dem ähnlichen Sprechrhythmus, nicht viel gemein. Es gibt auch keine einheitliche finnisch-ugrische Kultur.

Noch ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass die Hunnen etwas mit den Ungarn zu tun hätten. Das Wort ‚Ungarn‘ (ung. Magyarország – [mådjårorsahg]) stammt vom slawischen Wort ‚Onogur‘, was so viel bedeutet wie ‚zehn Stämme‘, da die Magyaren (‚Madjaren‘ ausgesprochen) im fünften bzw. sechsten Jahrhundert noch aus zehn Stämmen bestanden. Das ‚h‘ im lateinischen ‚hungarus‘ kommt von der falschen Annahme, welche die slawische Bezeichnung mit dem der ‚Hunnen‘ gleichgesetzt hat.

Mindestens genauso weit verbreitet ist das Missverständnis was das Gericht, Gulasch, betrifft. Was in Österreich als ‚Gulasch‘ bezeichnet wird, gilt in Ungarn als ‚Pörkölt‘.
Das echte Gulyás (‚Gujasch‘ ausgesprochen =ung. ‚Rinderhirte‘ – sozusagen der ungarische Cowboy) ist weder ein Eintopf, noch hat es irgendeine Art von dickflüssiger Konsistenz, sondern ist eine Suppe, die man traditionell in einem Kessel über offenem Feuer kocht und dadurch ein typisch rauchiges Aroma erhält.

Für die traditionelle Zubereitung sollte man mit mehreren Stunden rechnen! Gulyásrezepte variieren leicht von einer Region, bzw. Familie, zur anderen. Was sich jedoch bei jedem Rezept gleicht, ist, dass das Fleisch (traditionell Kalbsfleisch) in Würfel geschnitten und direkt im Gulaschkessel in Schweineschmalz (oder heutzutage auch in Öl) angebraten wird. Jedes Jahr, im Laufe des Sommers, gibt es in fast jeder Region Ungarns mehrere Gulaschkochwettbewerbe im Freien, wo üblicherweise auch das Publikum mitentscheidet, wer die beste Suppe gekocht hat.

Besonders geschätzt wird der ungarische Rotwein zur Gulaschsuppe. Allen voran ist der Erlauer Rotwein (ung. Egri bikavér, was so viel bedeutet wie Erlauer Stierblut) am beliebtesten. Weitere erwähnenswerte Weine sind: Tokaji aszú (Weißwein aus Tokaj), Badacsonyi szürkebarát (dt. Grauburgunder aus Badacsony), sowie Weine aus Villány (Region in Südungarn).
Ungarn ist ein traditionelles Weinbauland. Die Geschichte der Weingebiete Sopron (dt. Ödenburg) in Westungarn, sowie Eger und Tokaj in Nordostungarn gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Die vulkanischen Weinbaugebiete am Balaton (dt. Plattensee) sind römischen Ursprungs und sogar 2000 Jahre alt.

Seit geraumer Zeit gibt es auch einen Radrundweg um den Plattensee, der bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen immer beliebter wird. Der Radweg selber ist überraschend abwechslungsreich und besteht nicht ausschließlich aus flachen Abschnitten. Die Strecke am Nordufer ist besonders in den Sommermonaten äußerst herausfordernd, da sie sehr hügelig und feucht-warm, wenn nicht sogar eher heiß ist!

Mindestens so vielfältig ist auch die Hauptstadt, Budapest.

Von Spaziergängen auf den Budapester Donauinseln, Margit-sziget, Csepel-sziget und Óbudai-sziget, über Wandertouren auf den Hügel und in den Parks Népliget, Városliget und Gellért-hegy, bis hin zu entspannenden Thermenbesuchen im Gellért Heilbad und Széchényi Heilbad, sowie wilden Partynächten in den verschiedensten Clubs wie zum Beispiel: Szimpla, Ötkert, Corvintetö (sehr empfehlenswerter Club auf dem Dach des Corvin-Kaufhauses), kann man sich aussuchen, worauf man gerade Lust und Laune hat.

Eine Kuriosität, die ich nicht vorenthalten möchte, ist das erste Freeski-Team Ungarns: Freeski Maffia.
Im Jahr 2010 haben sie ihren ersten Film veröffentlicht, welcher sich dafür, dass es in Ungarn kaum hohe Hügel, geschweige denn Berge mit Parks gibt, definitiv sehen lassen kann!
Den Link zum Film könnt ihr auf der ‚Die Zeitlos‘-Website finden.
Das Freeskifahren generell ist in den letzten paar Jahren immer populärer geworden, wofür natürlich das Freestyle-Spektakel, Fridge Festival in Budapest mitverantwortlich ist.
Mit Festivalangeboten wird in Ungarn definitiv nicht gespart:
Neben dem schon eben erwähnten Fridge Festival im November, gibt es noch:
Volt Festival (Juni), Balaton Sound (Juli), Ozora (August), Sziget Festival (August), sowie sehr viele weitere, verschiedene, teilweise kleinere Festivals.

Ich hoffe somit ein paar Missverständnisse aus dem Weg geräumt zu haben und euch mit vielen neuen und nützlichen Informationen über Ungarn versorgt zu haben! Abschließend möchte ich noch ein paar wissenswerte Floskeln und Wörter für den nächsten Ungarnbesuch auflisten:

Guten Tag! – Jó napot![joh nåpot]
Hallo! – Szia! [sie-åh; oder: wie im englischen ‚see ya!‘] (wird auch für ‚Tschüss! ‘ verwendet)
Ich möchte zwei Bier! – Két sört kérek! [ket schört keräk]
Ich möchte ein Glas Weiß-/Rotwein! – Egy pohár fehér/vörös bort kérek! [edj pohar fäher/wörösch bort keräk]
Prost! – Egészségedre! [äges-schegädrä]
Danke! – Köszönöm! [kösönöm]
Sprechen Sie Englisch/Deutsch? – Beszél angolul/németül? [bäsel ångolul/nemätül]
Ja – Igen [igän]
Nein – Nem [näm]

von Veronika Milassin

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