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China in Afrika – Die Ausbeutung eines Kontinents geht weiter

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Als Heinrich der Seefahrer, Königssohn und Bruder des späteren portugiesischen Königs Eduard I., Mitte des 15. Jahrhundert Auftrag zur Erforschung der Westküste Afrikas gibt, ist der Grundstein zur Kolonialisierung Afrikas gelegt, die ihren Höhepunkt im Imperialismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts erreicht. In einem wahren Rausch des Größenwahns mit dem Ziel der Erweiterung des eigenen Herrschaftsgebietes, liefern sich die europäischen Staaten einen Wettlauf um die Eroberung afrikanischer Gebiete. Das Kämpfen und Bekriegen endet schließlich damit, dass sich ganz Afrika in europäischer Hand wiederfindet. Erst zwei Weltkriege später wird das erste Mal über die Entlassung der Kolonien in die Freiheit diskutiert. So werden die Staaten Afrikas nach und nach unabhängig.

2012. Der arabische Frühling ist über ein Jahr her. Der Südsudan feiert den ersten Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Zwar dominieren Armut, Hunger und Krankheiten immer noch den Großteil der afrikanischen Staaten, doch die Unabhängigkeit scheint weitgehend gegeben. Scheinbar.
Ein neuer Staat hat nun seine Finger im Spiel und will offensichtlich auch von dem Rohstoffreichtum Afrikas profitieren und zwar zur Last deren Bevölkerung: China.
Maria Lobis, Redakteurin des „Katholischen Sonntagsblattes“ bereiste vom 29. Juni bis 7. Juli Niger und Burkina Faso in der afrikanischen Westsahelzone.
Auf ihrer Reise hat Lobis immer wieder mitbekommen, dass Straßen, Pisten, Brücken und Wasserleitungen von chinesischen Investoren errichtet wurden – [Mit den Hintergedanken] „diese Länder auszubeuten“, wie es Lobis formuliert. Es wird gefördert, was das Land hergibt: Öl im Sudan, Kobalt im Kongo, Kupfer in Sambia, Chrom in Simbabwe. Niger und Burkina Faso sind reich an Gold. Um dieses abzubauen, werden von den ausländischen Investoren die notwendigen Infrastrukturen errichtet: Krankenhäuser, Regierungsgebäude, Straßen- und Bahnlinien schießen wie Pilze aus der Erde. Es ist ein Übereinkommen: China baut auf, um dann abbauen zu dürfen und zwar die Rohstoffe, welche das aufstrebende Industrieland so dringend benötigt. Dabei stellt China keine Bedingungen oder Forderungen, wie es die westlichen Mächte tun. Afrika profitiert davon aber nur bedingt.
Von den Verantwortlichen nationaler Hilfsorganisationen, wie der Caritas (z.B. vom Nothilfekoordinator der Caritas Niger Boubacar Saidou) hat Lobis erfahren, dass die Regierenden sich schmieren lassen, um die Gesetze für die chinesischen, kanadischen und japanischen Investoren, anzupassen. Dabei investieren chinesische Unternehmen so viel wie niemand sonst: 2011 waren es umgerechnet knapp 44 Milliarden Euro.

Niger, Burkina Faso und Mali sind derzeit von einer großen Hungerkrise betroffen. Im vergangenen Jahr blieb ab Ende August der Regen aus und das Getreide auf den Feldern verdorrte, bevor es geerntet werden konnte. Hunger, Armut und ausländische Investitionen können sich in diesem Fall zu einer gefährlichen Kombination entwickeln. Die Goldminen, die von Ausländern betrieben und nach einer bestimmten Zeit aufgelassen werden, weil sich der Abbau nicht mehr lohnt, werden von Einheimischen weiterhin bearbeitet. Eltern aus den ärmsten Bevölkerungsschichten Eltern ziehen ihre Kinder von den Schulen ab und schicken sie in die Minen, wo sie die übrigen „Brosamen“ des Goldes abbauen sollen. Das fördert nicht nur den Analphabetismus. Ihr Vor- bzw. Nachteil bei der Arbeit ist, dass sie klein sind. Man gibt ihnen Dynamit mit. Damit sollen sie in den unterirdischen Höhlen Gestein absprengen und es an die Oberfläche bringen. Oben wird das Gestein zerhackt und zerbröckelt und mit hochgiftigen Quecksilber und Wasser angereichert, damit sich die durch das Quecksilber gebundenen Goldkörnchen, absetzen. Auch das Quecksilber stellt ein Risikofaktor dar: Sickert es in den Boden und gelangt es in das Grundwasser, so vergiftet es ganze Landstriche. Gelangt es in die Augen der Kinder, erblinden sie. Das alles für einen Lohn von 2 bis 3 Euro am Tag.

Maria Lobis erzählt, dass in Niger Anfang Juni eine 80 Meter tiefe Grube eingestürzt ist, weil die Kinder beim Absprengen in der Tiefe zu viel Dynamit verwendet haben. 150 Kinder waren in der Grube. Man hat sie zugeschüttet, ohne den Versuch zu wagen, die Kinder zu retten. Hilfsorganisationen wie die Caritas versuchen, die Eltern zu warnen, sie zu überzeugen, die Kinder in der Schule zu lassen, damit sie sich irgendwann eine bessere Zukunft aufbauen können. Doch die Armut der Eltern (in Niger verdienen 40% der Erwachsenen nicht einmal 40 Cent am Tag) treibt sie dazu, ihre Kinder in aufgelassene Goldminen arbeiten zu schicken. Wenn die Caritas-Mitarbeiter ihnen sagen, sie sollen die Kinder davon fernhalten – es passiert dort parallel Gewalt und Prostitution – antworten sie mit einer Frage: „Könnt Ihr uns das an Geld geben, was unsere Kinder dort erwirtschaften?“ Die Hilfsorganisation muss leider verneinen. Ausbeutung und Hoffnungslosigkeit für die Kinder gehen weiter. Das große Geld beim Goldabbau machen weiterhin die ausländischen Investoren.

von Ruth Adami

Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/chinas-rolle-in-afrika-ansturm-der-gierigen-helfer-a-728609.html letzter Zugriff: 22. September 2012
http://www.stern.de/wirtschaft/news/unternehmen/ausbeutung-afrikas-neue-herren-597112.html letzter Zugriff: 22. September 2012.

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