“Wie wär’s mit einer Kalaschnikow oder ein paar Handgranaten?“ – Wenn Syrien Einkaufen geht

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Das Massaker von Syrien ist mittlerweile seit knapp zwei Jahren ein ständig präsentes Thema in unseren Medien. Doch wer steckt eigentlich hinter den Waffenlieferungen für Assads Regime und dessen Gegner?

Auf die Frage aus welchen Ländern die Syrer ihre Waffenlieferungen erhalten, lässt sich leider keine eindeutige Antwort geben, denn es sind mehrere Länder an dem verstrickten, undurchsichtigen, und mehr oder weniger, illegalem Waffenhandel mit Syrien beteiligt.

Allen voran ist jedoch Russland: Der staatliche, russische Waffenlieferant Rosoboronexport bietet auf einem speziellen Basar den Syrern eine seltene Gelegenheit zum Waffeneinkauf. Russlands bekannteste Waffenmesse, das harmlos benannte „Forum of Technologies“, ist ein militärisches Wunderland, das von Vladimir Putin vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. In der letzten Juniwoche besuchten Delegationen aus 103 Nationen wie Pakistan, Iran, Zimbabwe und Uganda die Messe auf dem Zhukovsky Airfield Gelände, in der Nähe von Moskau.

Während der letzten eineinhalb Jahre nutzte die Präsidenten Bashar Assad treue, syrische Armee, russische Waffen, um die Rebellion der syrischen Bevölkerung einzudämmen. Dies artete sich in die bisher gewaltsamste Revolution des arabischen Frühlings aus. Laut UN setzt das Regime sogar Kampfpanzer, -hubschrauber und Artillerie in Wohngebieten ein.

Diese große Unterstützung seitens Russlands blieb von den westlichen Staaten nicht unbemerkt und endlich bekommt der Waffenexporteur die Konsequenzen zu spüren. Die USA wollen nun als Reaktion auf das russische Veto gegen die Syrienresolution sowohl ihre Waffengeschäfte, als auch die Kämpfe in Syrien, einstellen. Mit 407:5 stimmten die amerikanischen Parlamentarier für den Gesetzesentwurf des demokratischen Abgeordneten, Jim Moran. Dieser soll dem Verteidigungsministerium Geschäfte mit dem staatlichen, russischen Waffenhändler, Rosoboronexport, verbieten. Die Vorlage muss jedoch noch den Senat passieren. Die USA werfen Russland die Unterstützung der syrischen Führung unter Präsident Baschar al-Assad vor. Außerdem beschuldigen sie Rosoboronexport Mörsergranaten, Präzisionsfeuerwaffen und Kampfhubschrauber nach Syrien zu liefern. Allerdings hatte das Pentagon erst vor ein paar Monaten einen neuen Vertrag über die Lieferung von sechs Transporthubschraubern an die afghanische Armee mit dem russischen Unternehmen, bekanntgegeben.

Die USA signalisierten vor kurzem, dass sie ihre Hilfen für die Aufständischen ausweiten möchten. Gerüchten zufolge bereiten Mitarbeiter von Präsident Barack Obama einen Entwurf vor, nach dem die verdeckte Unterstützung der Rebellen verstärkt werden soll. Allerdings soll dies nicht deren Bewaffnung umfassen.

Ein Grund für die Zurückhaltung der USA und den westlichen Verbündeten bei der Aufrüstung der Oppositionellen ist die Furcht, dass High-Tech-Waffen in die Hände radikaler Islamisten geraten könnten. Es wird befürchtet, dass Al-Qaida oder ähnlich radikale Gruppen, leichte, panzerbrechende Waffen oder Boden-Luft-Raketen auf westliche Ziele richten könnten. Die Terroristen würden sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Chaos für ihre Zwecke nutzen.

Doch nicht nur Al-Qaida, sondern auch der Iran spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle im Syrienkonflikt. Präsident Ahmadinedschad erklärte uneingeschränkte Unterstützung für Präsident Assad und schickte Teheran angeblich bereits Militärberater.

Neben den USA ist ein weiteres, wichtiges Nato-Mitglied, die Türkei, seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Regierungschef, Recep Tayyip Erdogan, sagte dem syrischen Volk Unterstützung zur Befreiung von “Diktator” Assad zu. Ein Teil des Waffennachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Insider berichten, dass die Türkei, Saudi-Arabien und Katar einen geheimen Stützpunkt für die Gegner von Assad in der südtürkischen Stadt, Adana, errichtet haben, welche die syrischen Rebellen mit Waffen versorgt. Die türkische Regierung bestritt jedoch, die Rebellen mit Waffen auszurüsten. Wie Insider berichten, sollen alle Waffen vom Schwarzmarkt stammen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Spezialisten aus Katar, die beim Sturz des libyschen Herrschers, Muammar Gaddafi, Erfahrung gesammelt haben.

Laut Angaben aus Katar, wurde der Stützpunkt vom saudi-arabischen Staatssekretär, Prinz Abdulasis bin Abdullah al-Saud, bei einem Türkeibesuch initiiert. Saudi-Arabien und Katar unterstützen die islamisch-konservativen Kräfte. Dadurch versuchen sie einen Verbündeten ihres Erzfeindes, Iran, zu schwächen.

Unklar ist, ob die zunehmende Macht der Rebellen mit einer wachsenden Hilfe jenseits der Landesgrenzen, zusammenhängt. Es wird jedoch berichtet, dass die Türkei eine stärker werdende Rolle in der militärischen Ausbildung der Aufständischen spielt. Berichten zufolge würden sich derzeit 20 desertierte syrische Generäle in der Türkei aufhalten. Diese würden beim Aufbau der Rebellenarmee helfen.

Das syrische Regime hat mit Russland und Iran starke Unterstützer, die sich noch dazu über ihre Einnahmen durch Waffenexporte freuen. Allerdings gewinnen die Rebellen durch ihre westlichen und arabischen Verbündeten zunehmend an Schlagkraft. In welche Richtung sich dieses grausame Wettrüsten entwickeln wird, bleibt noch ungewiss.

von Elisa Gramlich

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