Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

Versteckspiel mit dem Leben

Das Leben, die Welt oder sonst irgendetwas wird dir zu viel? Kein Problem, tauch einfach unter!

Ich persönlich besitze eine starke Tendenz, mich vor der Realität zu verstecken, schließlich meint sie es nicht immer gut mit einem. Es gibt auch nichts Leichteres und Bequemeres als sich in seiner Höhle zu verkriechen, sich mit Konsumgütern abzulenken und so zu tun, als wär der Rest nicht da! Frei nach dem Motto „aus dem Auge, aus dem Sinn“.

Wir leben in Zeiten, in denen diese Problematik besonders gefährlich sein kann, da die Mittel zur Ablenkung, zum Untertauchen, um sich selbst und die Probleme zu vergessen en masse vorhanden sind und wie am Fließband hergestellt werden. Denken wir hierbei vor allem an die digitale Sphäre, in der man sich content bis zur Besinnungslosigkeit reinziehen kann. In dieser Welt wird unser Wille quasi unaufhörlich herausgefordert, das Richtige zu wollen.

Das Phänomen von dem ich spreche nennt man auch Eskapismus. Verallgemeinert geht es darum, sich im Sinne einer Abwehrstrategie aus der Situation, in der man sich befindet, zurückzuziehen. Wenn man sich selbst im Alltag einmal beobachtet, kann man sich zum Beispiel dabei ertappen, wie bereits ein leichter Ansturm an belastenden Gedanken und Gefühlen dazu führen kann, dass man sein Handy zückt, ohne wirklich zu wissen, was man eigentlich damit tun will.

Natürlich ist dies alles nicht nur zu verteufeln, letztlich geht es um Sicherheit und wir alle brauchen auch einen Safe-Space, in den man sich zurückziehen kann. Allerdings wäre es sinnvoll, sich darüber bewusst zu sein, wie man diesen organisiert und auslebt. Denn die Komfortzone kann auch schnell zum Problem werden, wenn man zu viel Zeit in ihr verbringt und oder sie schlichtweg ungesund gestaltet. So kann der Hang zur Vermeidung der Wirklichkeit in ein äußerst ungesundes Verhalten ausarten und im extremsten Fall zur Sucht werden.

Jedes Mal, wenn man sich für den bequemen Weg der Flucht entscheidet, aus Furcht vor den eindrücklich realen Aspekten des Daseins, so stimmt man der ängstlichen Stimme in einem zu und sie gewinnt immer mehr an Macht. Was passiert, wenn man immer weniger aktiv an der Außenwelt teilnimmt, aufgrund von Enttäuschungen, die einen dabei potenziell erwarten? Man flüchtet in eine fiktive und selbstkreierte Welt, in der man sich geradezu versteckt. Sie lebt davon, mit der Realität nichts zu tun zu haben, also abgekapselt zu sein.

Entscheidend hierbei ist die Angst. Für mich ist sie der Gegensatz zu Vertrauen, ein Mangel an Vertrauen besser gesagt. Ein Mensch könnte beispielsweise sein Leben lang über eine Brücke gehen, ohne je auf die Idee zu kommen, dass damit eine Gefahr verbunden ist. Eines Tages stürzt die Brücke ein und von dann an begegnet man einer Brücke stets mit Furcht und Skepsis. Doch wie oft hat man schon eine Brücke überquert ohne dass etwas passiert ist? Ist Vertrauen nicht angebracht? Die Angst vor dem Einsturz ändert nichts daran, ob sie einstürzt oder nicht, aber sie kann dafür sorgen, dass man sich nie wieder auf die andere Seite begeben möchte.

Was man durch dieses Verhalten der Leidvermeidung vergisst, ist, dass beim Versuch, das Leid aus dem Leben zu kürzen, das Leben selbst verloren geht und nichts als die Unwirklichkeit bestehen bleibt. So kann es geschehen, dass einem bei der Tauchaktion irgendwann die Luft knapp wird und man wohl oder übel wieder auftauchen und sich dem Leben widmen muss.