Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

Rezension: Kukolka

Lana Lux begleitet in ihrem Debütroman das Mädchen Samira auf ihrer Reise vom Kinderheim in der Ukraine bis hin zur Zwangsprostitution in Deutschland. Aus der Sicht Samiras beschreibt Lana die Erlebnisse auf sehr einfache, kindliche Art und Weise. Du tauchst ein in die Trümmerwelt des Mädchens und tauchst wieder auf mit dem Drang Personen in ähnlicher Situation retten zu wollen. Lana Lux schafft es, mit ihren Worten eine erschreckende Thematik auf so pure Art und Weise anzusprechen, die es schwer möglich macht, das Buch zur Seite zu legen.

Samira wächst in einem Waisenhaus in der Ukraine auf. Der Alltag dort ist kalt und rau. Die ErzieherInnen schlagen die Kinder und sperren sie ein, wenn sich die Mädchen nicht benehmen. Als auch Samiras einzige Freundin im Heim schließlich von Pflegeeltern nach Deutschland aufgenommen wird, ist es Samiras einziger Wunsch, selbst den Weg nach Deutschland zu schaffen. Komme was wolle.

Als sie eines Tages die Lieblosigkeit und Brutalität des Heims nicht mehr ertragen kann, flieht sie. Samira weiß ihr Ziel. Sie will nach Deutschland. Sie bemerkt jedoch bald, dass sie ohne Geld nicht weit kommen wird. Nach ein paar Stunden läuft sie Rocky in die Arme. Ihr langes dunkles Haar und ihre leuchtend grünen Augen fallen ihm sofort auf. Er nennt sie „Kukolka“, was Püppchen bedeutet und verspricht ihr, ihren Traum von Deutschland zu erfüllen. Und im nächsten Moment findet sie sich in einem schäbigen Haus wieder ohne Strom und ohne Warmwasser. Andere Kinder und Jugendliche leben auch dort und bald wird Kukolka den Alltag des Stehlens und Bettelns mit ihnen teilen. Rocky ist ihr Retter und gleichzeitig hält er sie gefangen. Denn ihren Traum nach Deutschland zu gelangen, kann er nicht erfüllen.

Dann taucht Dima auf. Ein Engel in Person. Ein wunderschöner Mann, der ihr Blumen kauft, Komplimente macht und sie auch zum Essen einlädt. Kukolka ist ganz verzaubert und glaubt, mit ihm in eine schönere, buntere und wärmere Welt zu fliehen. Denn alles was Kukolka will und braucht, ist ein wenig ehrliche Liebe und Zuneigung. Dima verwirklicht ihren Deutschland-Wunsch und nimmt sie mit nach Berlin in seine wunderschöne, saubere Wohnung. Es gibt gutes Essen, Alkohol und Duschgel, das nach Apfel riecht. Erdbeeren sogar im Winter und warmes Wasser zum Baden. Kukolka ist im Paradies. Sie ist Dimas kleine Kleopatra, wie er sie einmal nennt.

Aber er ist ein Loverboy. Das mag unscheinbar klingen, ist aber ein in den Niederlanden und Deutschland mittlerweile weit verbreitete Form der Zuhälterei. Opfer sind meist junge Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 20 Jahren, denen eine wirkliche Beziehung vorgegaukelt wird und die dann zur Prostitution überredet werden. Die jungen Mädchen sind meist sehr stark emotional abhängig von ihrem Loverboy und wären zu nahezu allem fähig um seinen Wünschen gerecht zu werden.

Lana Lux erzählt Kukolkas Geschichte ohne Verharmlosung. Aus der Sicht der jungen Samira werden die Situationen sehr emotional und rau beschrieben. Das junge Mädchen ist mit der Zeit abgestumpft aufgrund ihrer kalten Realität, in welcher sie Brutalität, Tod ihrer Freund*innen und sexuellen Missbrauch erlebt. Kukolkas Welt steht für alle jene Betroffenen in ähnlichen Situationen. Denn es gibt viele da draußen, in einer Welt, die so fernab von unserer Realität existiert.

hello people, that's me. studiere gerade im 4ten Semester Non-Profit Management und illustriere von Zeit zu Zeit Menschen und was ich sonst noch so schön finde. und manchmal findet ihr hier den einen oder anderen Artikel von mir. viel Spaß beim durchschmökern.