(IMHO #27) Was bitteschön ist gut daran?

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Die Briten haben es erfunden. Jetzt, wo sie uns verlassen, können sie es von mir aus gerne wiederhaben. Die Unterhose. Sie ist wohl der Trump unter den Kleidungsstücken. Genauso ungemütlich. Unpassender Vergleich? Vielleicht. Aber da mir meine Unterhose gerade die Luft zum Atmen nimmt, wird mein Gehirn nicht mit Sauerstoff beliefert und es kommt nichts Kluges dabei heraus.

Der Wecker klingelt. ‚Neuer Tag, altes Leid‘ denk ich mir. Nicht etwa, weil es erst 7 Uhr morgens ist, auch wenn dies Grund genug wäre, um im Bett liegen zu bleiben. Nein, denn jeden Morgen wiederholt sich derselbe Horror. Denn sie schaut mich schon an und ich bilde mir ein, sie genießt es mich für die nächsten Stunden zu quälen. Nur widerwillig zieh ich das Pyjama aus und gehe auf sie zu. Ein letzter nostalgischer Blick zurück aufs Pyjama, Augen zu und rein in das wohl sinnloseste Kleidungsstück, das je ein Mensch zu tragen bekommen hat: die männliche Unterhose. Vielleicht ist das bei den Frauen ja genauso. Ich weiß es nicht. Aber die männliche Unterhose ist eine Qual und sollte verboten werden.

Kaum ist die Jeans angezogen, schon schmiegt sich die Unterhose um den Genitalbereich und versucht in jene dunklen Bereiche des Körpers einzudringen, für die es normalerweise eine Erlaubnis benötigt. Und schon geht es los: ein kurzes Zupfen an der Hinterseite der Jeans, in der Hoffnung auch das kleinere Stück darunter zu ergreifen, und ich bin fürs Erste befreit. Aber kurze Zeit später wiederholt sich dieses Spektakel. Es ist ein Teufelskreislauf, wo am Ende der Klügere nachgibt. Im Klartext: die Unterhose hat ihr Ziel erreicht und darf mich einen weiteren Tag belästigen.

Besonders schrecklich wird es dann in der Öffentlichkeit, wo man im besten Fall mit einem unglaublichen Blick beäugt wird, wenn man an sein Gesäß greift. Aber nichts geht über das Sitzen. ‚Bloß nicht bewegen‘ heißt hier die Devise, ansonsten rutscht das gute Teil nach oben und engt einen erst recht ein. Ist es trotz aller Vorsicht dennoch geschehen findet man sich plötzlich auf der nächsten Toilette wieder, wo man versucht an seiner Hose herumzuzerren, bis man aufgibt, die Hose runterzieht und dann das morgendliche Ritual wiederholt, um alles wieder dorthin zu bringen, wo es hingehört.

Raus aus der Hosendiktatur

 

Ist dann schließlich der Zeitpunkt gekommen nach Hause zu gehen, kann es dort nicht schnell genug gehen, sich die Kleidung vom Leib zu reißen und endlich aus dieser Hosendiktatur zu entfliehen. Und da kommt es endlich, das Gefühl, auf welches man schon den ganzen Tag gewartet hat: Freiheit! Endlich raus aus der gesellschaftlichen Konformität und hinein in die Wohlfühlzone namens Jogginghose. Und das völlig losgelöst von Bewegungseinschränkung. So fühlt es sich wohl im Paradies an. Und spätestens hier fragt man sich: warum nur tue ich mir diesen Unterhosen-Blödsinn bloß jeden Tag an? „Die Hygiene!“, schreien jetzt einige. Aber im Sommer in der Badehose scheint diese allen gleich zu sein. Außerdem gibt es eine wirklich super Erfindung, das Klopapier. Das steht nicht zum Spaß dort und darf gerne benutzt werden. Außerdem: wenn einige Herren es schon nicht für wichtig halten nach getaner Kloarbeit ihre Hände zu waschen, dann kann man wohl auch auf die Unterhose verzichten. Und ja liebe Frauen, gebt nicht jedem Mann eure Hand, denn ihr wisst nicht wo die seine bereits gewesen ist.

Vielleicht sollten wir mehr wie die Schotten werden. Kurzer historischer Exkurs: auf die geniale Idee, dieses modische Accessoire in Europa salonfähig zu machen, war wohl die englische Aristokratie im 12. Jahrhundert gekommen. Damals trug man das sog. Brouch. Danach war es ein Selbstläufer. Und ich bin davon überzeugt, dass dies wohl mit ein Grund war, warum die Engländer am 11. September 1297 die Schlacht von Stirling Bridge gegen die Schotten verloren haben und letztere sie aus Schottland vertrieben haben. Die Schotten mussten sich immerhin mit ihren Kilts keine Sorgen darum machen, dass ihnen ein Kleidungsstück im entscheidenden Moment verrutscht und sie praktisch bewegungsunfähig macht. Kein Wunder, dass die Schotten ihre Freiheit zurückwollten, wollten sie doch dieses englische Unterdrückungssymbol nicht unter ihrem Rock tragen. Dass heute auch die Schotten Unterhosen tragen zeigt, dass der Erfolg von 1297 leider nicht wiederholt werden konnte.

Jedenfalls bin ich dafür, dass viel mehr Kilts getragen werden sollen. Wer schon einmal einen getragen hat, weiß wovon ich spreche. Und seien wir mal ehrlich: wer würde nicht mal gerne auf der Serles mit einem Kilt stehen und sich von einem leichten Hauch um die Kronjuwelen die Sorgen davontragen lassen?

 

Fotos: „Unterhose“ von Urban Explorer Hamburg via Flickr unter CC2.0 und „212/366 – Dreiecke / Triangles“ von Boris Thaser via Flickr unter CC 2.0

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