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Tante Emma 2.0

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Eine One-Girl-Show steckt hinter dem tirolermadl, das mit dem Wiltener Platz genau die richtige Location gefunden hat. Das Tiroler Madl hinter dem tirolermadl ist Tanja Vogt, eine echte Power-Frau. Bei einer Tasse Kräutertee in ihrem Tante-Emma-Laden haben wir uns mit ihr über Abneigungen zum Online-Shopping, Expansionspläne und Energieriegel unterhalten.

 

Die Zeitlos: Was ist das tirolermadl und welche Idee steckt dahinter?

Tanja: Das tirolermadl ist ein Fachgeschäft für natürliche Ernährung – so einmal der Titel. Und es ist sozusagen ein Tante-Emma-Laden-2.0, der das Back-to-the-roots-Gefühl, das entschleunigte Einkaufen ein bisschen näherbringen soll. Die Produkte sind alle sehr naturbelassen und was im Vordergrund steht, ist das Ehrliche, das Leidenschaftliche, der Kontakt zwischen mir und den Kunden. Die Art wie man früher eingekauft hat, soll bei mir im Laden ins Jetzt zurückgeholt werden.

Warum der Name tirolermadl?

Die Namensfindung und auch die Entstehung vom Logo hat im Vergleich dazu, wie schnell der Shop eröffnet hat, eigentlich ewig gedauert. Da waren alle möglichen Namen schon auf der Liste, wie der Laden hätte heißen können. Aber schlussendlich, und wirklich ganz kitschig, war ich auf einer Skitour und da habe ich mir gedacht, „Warum eigentlich nicht einfach tirolermadl!?“ Ganz plain, einfach so wie ich bin, ein Tiroler Madl. Das liegt nahe und der Name lässt aber auch gleichzeitig ganz viel Spielraum für Interpretationen, er macht neugierig, weil man sich nicht gleich was darunter vorstellen kann. Der Name macht also Lust auf mehr.

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Und welches Tiroler Madl steckt hinter dem Geschäft?

Eine One-Girl-Show sozusagen. Also das bin nur ich – also wirklich von der Idee, über die ganze Konzeption, über das Marketing, bis hin zum Verkauf. Alles, was irgendwie mit dem tirolermadl zu tun hat, das bin ich. Und ja, wie gesagt, ich bin ein Tiroler Madl, ich bin hier in Tirol aufgewachsen, gehe auf die Berge, esse Knödl und habe ein Dirndl daheim hängen. Also wirklich sehr Tiroler-Madl-mäßig. Aber auf der anderen Seite bin ich auch neugierig auf neue Sachen. Und genau das ist es auch, was das Konzept widerspiegelt: Es ist nicht nur ein uriges Lebensmittelgeschäft, sondern es soll schon die Verbindung zwischen Tradition und Neuem darstellen. Und das ist auch das, was ich verkörpere. Wie gesagt, man ist Tirolerin durch und durch und andererseits trägt man zum Dirndl die Converse, fährt mit dem Rucksack nach Bali und hat seine Freunde auf der ganzen Welt verteilt. Es ist einfach eine coole Mischung zwischen Tradition und Neuem.

Was hat dich dazu bewegt, in Innsbruck ein Geschäft aufzumachen?

Innsbruck war ganz ehrlich gesagt nicht meine erste Wahl, obwohl ich jetzt total verliebt bin, vor allem ins Wiltener Platzl und es hätte nirgends besser passieren können wie hier. Aber am Anfang wollte ich nicht in eine Stadt, ich bin eigentlich ein richtiges Landei. Und warum ich einen Laden aufgemacht habe, ist ganz einfach: Weil’s so einen Laden nicht gegeben hat und weil ich immer in so einem Laden einkaufen wollte. Ich kaufe nicht gern in großen Supermärkten ein, in denen sich niemand wirklich gut auskennt. Ich finde auch Reformhäuser nicht so prickelnd und im Internet kann ich keine Lebensmittel einkaufen, das ist für mich so fremd. Und so ein cooler, kleiner Laden, so ein richtiger Tante-Emma-Laden, in dem man handgeschriebene Rezepte mitbekommt, in dem man, wenn man den Laden betritt, herzlich angesprochen wird und der Verkäufer dann vielleicht sogar weiß, was man beim letzten Mal eingekauft hat, hat einfach gefehlt. Das Gefühl, in so einen Laden hineinzugehen, habe ich schon lange nicht mehr gehabt und das habe ich in meiner Umgebung total vermisst. Bei meinen Reisen, zum Beispiel nach London, Amsterdam oder Bali, wo es eben solche Läden gibt, habe ich genau dieses Gefühl erfahren. Und dann habe ich mir gedacht: „Mach ma’s halt selbst!“ Und jetzt bin ich seit August 2015 hier und super zufrieden. Es kommt richtig gut an, die Leute sind ein bisschen verliebt ins tirolermadl und die Marke ist positiv aufgebaut und aufgenommen worden. Die Leute haben einfach eine Gaudi damit, sie kommen gerne her und das immer wieder.

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Wie schaut die Zukunft aus? Gibt es Pläne zum Expandieren?

Das Feedback ist auch etwas, auf das ich ganz stolz bin. Ganz viele Leute sagen, „Das hat’s gebraucht“ und das macht mich sehr stolz. Es hat schon Anfragen gegeben, ob ich das nicht auch irgendwo anders machen will – sei es in Tirol oder außerhalb. Leute, die hier nur auf Urlaub waren und bei mir im Laden eingekauft haben, haben auch schon gefragt, ob ich einen Online-Shop aufmachen will. Aber von dem distanziere ich mich total. Denn ein Online-Shop passt einfach nicht in mein Konzept. Beim tirolermadl geht es um die persönliche Beratung, den persönlichen Kontakt zum Kunden. Eben weg vom anonymen Warenkorb sozusagen. Einen Online-Shop wird es definitiv nicht geben. Bevor ich das mache, liefere ich alles vor die Tür der Leute, so wie früher. Aber ich mir auf jeden Fall vorstellen, dass ich expandiere und es in Zukunft mehr tirolermadl-Filialen geben wird. Aktuell konzentriere ich mich natürlich auf das Flagship sozusagen, auf den Store hier, dass der einfach wächst. Mein Laden ist noch eine kleine Pflanze und die muss man hegen und pflegen.

Aber du bist offen für Neues?

Ich bin immer offen für Neues (lacht).

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Gibt es ein Produkt, zu dem du einen besonderen Bezug hast?

Ich habe zu allen Produkten einen besonderen Bezug, weil ich jeden einzelnen Lieferanten persönlich kenne. Das ist mir auch ganz wichtig. Die Sachen, die hier stehen, zu denen stehe ich zu 100%. Alle Produkte sind sehr sorgfältig ausgewählt worden. Ich kenne die Produzenten selber, war vor Ort und habe mir alles angeschaut. Und dadurch habe ich auch zu jedem Produkt eine ganz eigene Verbindung. Man kann auch über das Produkt ganz anders sprechen, wenn man mal im Beerengarten von Flos Floberry gestanden ist und gesehen hat, wie die Produkte dort hergestellt werden. Ich verwende auch alles selber – ich backe mein Brot selbst von mybread und bestreiche sie dann mit den Marmeladen von Floberry, ich habe die Detox-Kur von Juicedeli gemacht. Ich lebe also wirklich das, was ich verkaufe. Man kann sagen, dass der Laden einfach ein riesengroßes Kuchlkastl von mir ist.

Wenn du dir jetzt vorstellen könntest, du wärst ein Lebensmittel aus deinem Laden – was wäre das dann?

(lacht) Auf das war ich jetzt nicht vorbereitet. Die Frage habe ich noch nie bekommen. (überlegt) Auf die Schnelle… Dann wäre ich wahrscheinlich ein Roo’Bar-Riegel – das ist ein Energieriegel und ich habe einfach sehr viel Energie. Ich mache in der Früh Yoga und gehe vor dem Arbeiten noch joggen. Also von dem her, wäre es wahrscheinlich am naheliegendsten, wenn ich ein Energie-Riegel wäre. Und er schmeckt mir auch super gut!

Die Tasse Kräutertee ist mittlerweile ausgetrunken und eine Kundin schaut sich schon neugierig im Laden um. Tanja macht sich wieder an die Arbeit. Nett war’s, ich komme wieder. Pfiati, tirolermadl!

 

Fotos: Victoria Dutter

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