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(IMHO) Kapitel achtzehn: Die arme Miss Colombia – First-World Problem Misswahlen

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Die Faszination von Misswahlen oder anderen „Talent“-Shows, in denen die oder der Schönste gewinnt, habe ich noch nie verstanden. Wozu ist eine Misswahl überhaupt gut? Die Mädels sind meist chirurgisch optimiert und täuschen politisches Interesse vor. Besonders Letzteres geht meist enorm nach hinten los, wie auch bei der aktuellen Miss Universe von den Philippinen, die es eigentlich ganz okay findet, dass US-Truppen auf den Philippinen stationiert sind. Diese Antwort auf die (unfaire) Frage der US-amerikanischen Jury, dürfte neben ihrem umwerfenden Aussehen, welches man nicht bestreiten kann, dazu beigetragen haben, dass sie gewonnen hat. Der Hype, der vor allem durch ihre verpatzte Krönung ausgelöst wurde, nervt aber nicht nur deshalb.

https://www.youtube.com/watch?v=nmqAjr0xs04

Wozu Misswahlen?

Liest man beispielsweise das “about us“ von Miss Universe „The Miss Universe Organization (MUO) uses its global grassroots reach to empower women to be self-confident and strive to be their personal best“, könnte man meinen, jede beliebige selbstbewusste Frau hätte das Zeug zu einer Miss. Um bei der Miss Universe-Wahl teilnehmen zu können muss man in Österreich erst einmal Miss Austria werden. Einige Kriterien, die man vorab erfüllen muss: mindestens 165 cm, sportliche Figur (+ Angabe der Konvektionsgröße), schöne Haare (subjektiv) und schöne Zähne. Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Mädchen operieren lassen, um bei Misswahlen erfolgreich zu sein. Mittlerweile gibt es sogar schon eine Miss Plastic-Wahl, wo man ohne ärztliches Attest gar nicht antreten darf, je mehr Operationen desto besser. Nicht so bei den „normalen“ Misswahlen, behaupten zumindest die meisten.

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Karitativer Zweck

Die erfolgreiche Miss Austria hat dann, laut Miss Austria Webseite, unter anderem die Aufgabe „wichtige Themen in den Mittelpunkt zu rücken“ und sich zum Beispiel als Integrationsbotschafterin einzusetzen. Selbstverständlich wird auch für karitative Zwecke gespendet und die Missen beglücken uns mit ihrem Qualitätsjournalismus im Missen-Blog. Da gibt es zum Beispiel faszinierende Artikel über Schönheitschirurgen, die die naturschönen Missen selbstverständlich nicht brauchen. Ein gewisser karitativer Sinn von Misswahlen lässt sich zwar nicht bestreiten, doch ob die wahren Gewinner von vor allem internationalen Misswahlen wirklich arme Straßenkinder, unbegleitete minderjährige MigrantInnen, die AIDS Forschung/Aufklärung oder die Missen selbst sind, das wage ich zu bezweifeln.

 

 

Die wahren Gewinner – Mister Trump weiß Bescheid

Natürlich lassen sich schöne Frauen gut als Botschafterinnen für Spendenkampagnen einsetzen. Es ist aber fragwürdig, ob die Spendeneinnahmen die Kosten der Shows aufwiegen beziehungsweise inwieweit Menschen Schönheitsshows der „Botschaften“ wegen schauen. Eines ist klar, ehemaliger Miss Universe-Boss und aktueller US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, hat sich mit den Misswahlen ein nettes Taschengeld nebenher verdient. Das ist der Typ, der eher für frauenverachtende Sprüche bekannt ist, der eine Mauer entlang der mexikanischen Grenze ziehen will, damit es Mexikanern unmöglich wird in die USA zu gelangen, da diese ja alle „Drogen bringen“ und „Vergewaltiger“ seien, der während seiner Zeit als Miss Universe-Chef Mädchen ausschließen wollte, weil nur ein Elternteil aus dem Land kam, für das sie antraten. Dieser Typ will nun in den USA Wähler locken mit seinen Hasstiraden. Genau wegen Aussagen wie dieser weigerte sich Geschäftspartner NBC die Shows in Zukunft auszustrahlen, weshalb Trump dessen Teile kurzerhand kaufte und an eine nicht weniger kontroverse „Talentagentur“ in Hollywood weiter verscherbelte. Die Einschaltquoten waren zu NBC und Trump-Zeit noch enorm hoch.

And the Winner is…oder doch nicht (?)

Auch die neuen Inhaber von Miss Universe haben so ihre Problemchen mit NBC, weshalb die Show am 20. Dezember 2015 auf FOX ausgestrahlt wurde. Die Einschaltquoten waren um einiges schlechter als zu Trump-Zeiten und die Misswahl interessiert die Menschheit erst seit Steve Harvey die arme arme „FIRST RUNNER-UP“ – Miss Colombia – fälschlicherweise zur Miss Universe krönte. Seit dem regnen Shitstorms auf die eigentliche Miss Universe, die Miss Philippines, auf Miss Colombia sowie auf Emmy-Gewinner Steve Harvey. Sieger dieser inszenierten *hust*… ähm dieses Missgeschicks sind vor allem die Miss Universe-Inhaber. Die Einschaltquoten und Sponsorengelder dürften sich nächstes Jahr vervielfachen. Vielleicht interessiert es die Leute dann auch wieder, wofür sich die Mädchen gerne einsetzen würden. Vielleicht heißt es dann nächstes Jahr nicht „arme Miss Colombia“ oder „armer Steve Harvey“. Vielleicht wird die Publicity der ganzen inszenierten Missen-Welt dann mal für die guten Zwecke genutzt, für die sie vorgeben genutzt zu werden, vielleicht sind dann mal die „armen Menschen in den Slums“ oder die „HIV-Erkrankten“ die wirklichen Gewinner. Aber an dieses „Weltverbesserungspotenzial“ glaube ich genau so wenig, wie die Missen, die dies behaupten. Dass durch Miss-Wahlen die Welt nicht verbessert werden kann wissen wir alle so gut wie Miss Universe Inhaber Ari Emanuel weiß, „dass Schwarze nicht schwimmen“.

 

Bilder: plastic-surgery-0902-01, madelineyoki via Flickr unter CC 2.0 und Donald Trump Signs The Pledge, Michael Vadon via Flickr unter CC 2.0

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