Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

(IMHO) Kapitel drei: Mi bicicleta (no) es tu bicicleta

Share

In Innsbruck wird täglich mindestens ein Rad gestohlen und so ging es vor Kurzem auch mir: Mein tolles, blaues Genesis mit den grauslich klebenden Griffen – frisch repariert und abgesperrt wurde es Samstagabend aus meinem Innenhof entwendet. In den letzten Jahren ist mir das schon zweimal passiert, und weil aller guten Dinge drei sind, ist es nun an der Zeit, mich im Namen all meiner Leidensgenossen endlich einmal über diese Frechheit auszulassen.

4829849555_70f656a3fd_o

Ich könnte immer noch schreien! Die Vorstellung jenes Feiglings, der meint mein Rad einfach zu seinem machen zu können, widert mich an. Ebenso die Tatsache, dass der unschuldige neue Besitzer wahrscheinlich nicht einmal weiß, dass sein Rad irgendwie noch das meine ist. Wie ich es täte, wird er sich nach jeder Fahrt fragen, ob er nicht doch endlich die grindigen Griffe austauschen soll. Falls Räder Gefühle hätten, wäre das dann so etwas wie unbewusste Vergewaltigung? Aber wenn der neue Fahrer Räder liebt wie ich es getan habe, wird mein Rad auch ihn ins Herz schließen. Ich hoffe, die beiden werden glücklich miteinander.

Wie viele Menschen werden ebenso betrogen? Ich wundere mich, wie viel Lebenszeit in einer Gesellschaft ständig geopfert werden muss, um die Verluste aus Diebstählen wieder abzuarbeiten und in welchem Ausmaß dadurch die Lebensqualität beeinträchtigt wird. Abgesehen vom materiellen Wert, trägt jeder Gegenstand ja auch eine Geschichte mit sich – mein erster Mountainbikesommer, das Portemonnaie, dass man von der verstorbenen Oma damals zu Weihnachten bekommen hat oder das Albtraumszenario: Wenn der Laptop mitsamt fast fertiger Diplomarbeit weg ist.

Anders gefragt: Wer sind die Menschen, die sich derart am Besitz ihrer Mitbürger bereichern? Aus Mountainbikes etwa soll auf osteuropäischen Märkten große Kohle gemacht werden. Ich habe aber gehört, mit dem Motto „Stiehlst du meins, nehm ich mir deins“ fährt man in Innsbruck auch ganz gut. Seid also gewarnt liebe Fahrradbesitzer, es gibt nämlich jetzt einen fahrradlosen Menschen mehr in der Stadt!

Foto: Locked von Alexander Svensson via Flickr unter CC 2.0

Leave a comment

Add your comment here

Share