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Vom Tellerwäscher zum Fastmillionär

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Die österreichische Hochschülerschaft hat mein Konto schon mehrmals aus einem Tief gerettet. Bei den Jobs, die ich bisher ausgeübt habe, war der eine oder andere ‚Volltreffer‘ dabei. Manchmal, wenn ein besonderer Wunsch ansteht, durchforste ich wieder einmal die kreativen Stellenanzeigen, die dort stets zu finden sind. Hin und wieder mache ich dies auch als Zeitvertreib, da oft sehr Amüsantes dabei ist. Und ja, ich spreche hier von Stellenanzeigen. Ihr habt nicht die Kategorie verwechselt oder ähnliches, keine Sorge!

Da war man beispielsweise einmal auf der Suche nach einer Promoterin. Ich, sehr kommunikativ und damals sehr pleite, habe ich mich sofort für den Job beworben. Schnell kam eine Bestätigungsmail, schnell ein Jobangebot. Und schwupps, war der erste Auftrag in der Tasche.

Aufgabe: Apothekenpromotion für eine Kosmetikfirma.

Die Schulung dauerte eine halbe Stunde und wurde in einer Bar abgehalten. Der Job bestand dann darin, dem Apothekenpersonal eine Einschulung in die Materie der Gesichts- und Körperpflegeprodukte zu geben und danach die Produkte an den Mann zu bringen. „Pflegeberatung“ nannte sich das Ganze. Was natürlich für mich als Studentin der Fächer „Management und IT“, genau in meinem Wissensbereich lag. Da stand ich dann mitten in Meran, mit meinem kleinen, aber feinen Kartonregal und versuchte, die Menschen auf mich aufmerksam zu machen. Dies gelang mit lächeln und winken sehr oft. Doch dann die Frage ob die Leute vielleicht eine Minute Zeit hätten, ich würde ihnen sehr, sehr gerne etwas zeigen und danach zu einem nicht sehr billigen Preis verkaufen um mir meinen Lebensunterhalt und meine wirklich spannenden, leider aber überteuerten Freizeitaktivitäten zu finanzieren. Bereits bei dieser ersten Frage waren wir beim ersten Problem angelangt: die potenziellen Kunden waren entweder sehr gestresst, zu alt um noch an Gesichtscreme mit Hyaluron als Inhaltsstoff (plustert die Haut auf, sehr toll!) interessiert zu sein oder sehr untalentiert in der Ausübung der deutschen Sprache. Auf Italienisch hätte ich ihnen zwar sagen können, dass ich sie liebe, oder sie mit wilden Phrasen, die nicht sehr Geschäfts fördernd gewesen wären, beschimpfen. Das unterließ ich dann aber doch und warf die Flinte ins Korn. Nächster Kunde, nächste Chance. Doch meist hieß es: 1-2-3 vorbei. Der ein oder andere Tourist hatte dann doch, entweder Falten oder Hornhaut, brauchte also unbedingt meine Beratung und Hilfe, und rettete mich so vor dem Rauswurf oder die Firma vor der ähnlich misslichen finanziellen Situation, in der ich mich befand. Einmal war ich in einer Apotheke in einem kleinen Dorf irgendwo im Nirgendwo in Südtirol angekündigt. Dort hatte der Chef so Mitleid mit mir, dass er mir zu Mittag eine Flasche Wein auf den Tisch stellte. ‚Sel stesst, drofter isch olls widr guat‘

Nach dieser Zeit, zurück in Innsbruck angekommen, war ich sehr froh, meine Freunde dort anzutreffen und mit ihnen reden zu dürfen. Danach verreiste ich erst mal an den Gardasee, um mein frisch Verdientes in frisch gefangenen Fisch und lange gelagerten Wein zu investieren. Auf die Ebbe folgt die Flut.

Aufgabe: „Marketingkraft“

Ein weiteres sehr interessantes Vorstellungsgespräch hatte ich einmal auf einem Berg in der Nähe von Innsbruck. Dorthin brauchte man, falls man sich nicht verfuhr, von Innsbruck aus mindestens 45 Minuten. Angegeben war eine zentrale Lage im Herzen Innsbrucks. Vor einem normalen Wohnhaus angekommen, fragte ich erst mal nach, ob ich denn hier wirklich richtig wäre. War ich. Das Unternehmen, für das eine „Marketingkraft“ gesucht war, existierte leider noch nicht. Ob ich aber daran interessiert wäre dem Mann der Chef sein wollte zu helfen, die Akten und Verträge zu verstehen. Sein Deutsch wäre nämlich sehr schlecht. Was zwar für ihn als angehender Geschäftsmann in Tirol nicht die perfekte Ausgangsbasis war, für mich aber aufgrund der Distanz und der Bezahlung, die nicht stattgefunden hätte, nicht in Frage kam. „Entlohnung nach Vereinbarung“ hieß es. Sah für mich aus wie „Preis auf Anfrage“ – was bei Kleidern ja immer ungutes hieß, in dieser Beziehung, aber sehr attraktiv gewesen wäre, aber so kann man sich täuschen…. Ein Zertifikat hätte ich bekommen! Wahrscheinlich hätte ich mir dieses selbst ausstellen dürfen. Da ich nach diesem Auftritt wusste, dass ich wahrscheinlich als

Aufgabe: „Kellnerei“

Marketingassistentin auch nicht sofort meinen Durchbruch feiern würde versuchte ich es mit etwas Alltäglichem, wie der Kellnerei. Dazu reiste ich mit zwei Freundinnen in die Schweiz. Wir waren dort als Serviertöchter angestellt, hatten unser großes gemeinsames Zimmer und unserer TV – Programm, in das wir am ersten Tag vom Herrn des Hauses eingewiesen wurden. War wichtig zu wissen, wo sich die dreckigen Sender befinden. Als wir eines Tages nach Feierabend mit einem Taxi in den nächsten Club fuhren, warnte uns der Taxifahrer dann vor dem Boss, er wäre nämlich nicht ganz koscher. Maffiageschäfte, Drogen, Geldwäsche. Auch Arten, reich zu werden, doch nicht ganz nach unserem Geschmack. Wir reisten ab.

Aufgabe: „Hollywood Tirol“

Zu Hause angekommen blätterte ich die Zeitung durch. Was mir unterkam: eine Ausschreibung für ein Casting einer Filmagentur. Warum nicht, dachte ich mir. Vielleicht ist ja die Schauspielerei meine große Chance auf Weltruhm und die große Kohle. Das Wetter war an jenem Tag nicht besonders gut, es war mitten in den Sommerferien. So stand ich dort mit einigen Freundinnen, am besagten Termin auf der Matte um sich fotografieren zu lassen und seine Daten weiterzugeben. Ob ich auch eine Leiche sein möchte? Selbstverständlich! Schon kurze Zeit später kam ein Anruf, man wollte mich für eine österreichische Krimiserie als Laborassistentin buchen. Klar, Studienbeginn wäre erst in drei Wochen, also war Zeit vorhanden. Das Ganze war dann etwas weniger spannend als ich es mir vorgestellt hatte, Tirol ist halt dann doch vielleicht nicht ganz mit Hollywood zu vergleichen. Dort angekommen wurde mit erst mal die Kammer für Kaffee und Wurstsemmeln gezeigt. Als der weiße Mantel und die Frisur saßen durfte ich über den ganzen Tag verteilt etwa fünf Mal durchs Bild laufen mit diversen OP-Accessoires, wie Spritzen oder Kotzschälchen. Bei meinem zweiten großen Auftritt in derselben Serie legte ich gleich einen großen Sprung auf der Karriereleiter hin – ich durfte nicht nur durchs Bild laufen sondern sogar einmal ‚Hallo‘ zu den Hauptdarstellern sagen. Also wenn das nicht der Start einer großen Karriere ist, dann kenne ich mich nicht mehr aus. Oscar ich komme! Mindestens in 1000 Jahren.

Falls ich Schauspieler werde, werde ich euch bald über den neuesten Klatsch und Tratsch vom roten Teppich berichten. Falls nicht, dann nicht. Die Suche nach dem perfekten Job ist nicht ganz so einfach wie ich in den letzten Jahren gemerkt habe. Es waren zwar viele lustige Momente und Erfahrungen dabei, ich hoffe aber doch, dass ich in meiner beruflichen Zukunft an einer anderen Position stehe. Und vielleicht passiert mir ja bald der Glückstreffer, dass die Hochschülerschaft den Job einer lebensgroßen sprechenden Zahnpastatube ausschreibt, dieser stünde nämlich auf meiner Hitliste ganz oben.

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