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Enrique Gasa Valga – Choreograph und professioneller Balletttänzer am Tiroler Landestheater

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Das Mysterium Ballett. Elegante, feingliedrige Personen, die scheinbar mühelos die atemberaubendsten Bewegungen vollführen. Doch wie wird man Ballerina und wie mühelos ist der Weg zum Star?

Zu diesem Thema haben wir Enrique Gasa Valga zum Interview gebeten.

Seit 3 Jahren ist er fest angestellter Choreograph am Tiroler Landestheater und stand uns Rede und Antwort.

Seine Karriere begann er nicht, wie in den Filmen malerisch dargestellt, auf Grund einer früh erwachten Leidenschaft. Im Gegenteil! Als Konfliktkind geriet er häufig in Schwierigkeiten und wurde sogar von der Schule geschmissen. Ein Arzt diagnostizierte ihm, dass diese Probleme durch seine Hyperaktivität entstünden und verordnete ihm Sport. Da durch aggressive Sportarten, wie Fußball, das Konfliktpotential nur erhöht werden würde, entschied sich seine Mutter für Ballett. Es war keine Liebe auf den ersten Tritt, jedoch merkte er als bald, dass ihm der Sport gut tat und sein aufkeimendes Talent sprach für sich. Da er keine andere Alternative zu einem Studium sah, blieb er bei der harten Ballettausbildung

Eine normale Ausbildung eines Balletttänzers dauert neun Jahre. Enrique Gasa Valga absolvierte seine Ausbildung in Barcelona, Zaragosa. In Zaragosa gewann er einen Wettbewerb, der ihm die Vollendung seiner Ausbildung in Kuba ermöglichte.

Enrique Gasa Valga war jahrelang professioneller Balletttänzer an verschiedenen renommierten Theatern und hat an vielen Galen teilgenommen. Nun ist er seit drei Jahren Chefchoreograph im Tiroler Landestheater. Der Zeitlos stand der gebürtige Barcelonier Rede und Antwort:

Herr Gasa Valga, zunächst einmal, wie kommt man als Mann auf die Idee Ballerino zu werden? War es von Anfang ihre Leidenschaft?

Nein, im Gegenteil! Am Anfang habe ich es gehasst. Ich war ein sogenanntes Konfliktkind, wurde sogar aus der Schule geschmissen. Meine Mutter ging mit mir zum Arzt und dieser diagnostizierte, dass ich hyperaktiv sei. Dagegen verordnete er mir Sport. Es durfte natürlich kein aggressiver Sport sein, wegen der Verletzungsgefahr für mich und vor allem die Anderen (er lacht). Also schickte mich meine Mutter zum Ballet. Am Anfang habe ich es nicht gemocht, doch dann merkte ich dass es mir gut tut und ich fand Gefallen daran.

Eine durchschnittliche Ausbildung zum Balletttänzer dauert neun Jahre. Sie absolvierten diese in Barcelona, Zaragoza und ihr letztes Jahr in Kuba. Dieses letzte Jahr haben Sie dank eines Wettbewerbs gewonnen. Glauben Sie, dass jeder Balletttänzer werden kann, wenn er nur diszipliniert ist und den Willen hat? Oder gehört ein gewisses Talent dazu?

Man braucht auf jeden Fall ein gewisses Talent! Man muss mit seinem Körper umgehen können, Körperspannung beherrschen und vor allem die Proportionen müssen stimmen!

Jedes Mal, wenn ich eine Stelle für ein Stück ausschreibe bewerben sich tausend Tänzer. Diese filtere ich dann. Wenn ich von vornherein sehe, dass sie eventuell nicht geeignet wären oder der erste Eindruck nicht stimmt, lade ich sie nicht ein. Man muss bedenken, viele müssen mit dem Flugzeug anreisen und wenn ihre Aufnahme nur fraglich ist, erspare ich ihnen lieber unnötige Kosten. Beschränke ich mich auf engere Auswahl, lade ich 350 Tänzer ein, von denen werden dann höchstens zwei genommen.

Man benötigt also nicht nur Talent, sondern auch den unermüdlichen, eisernen Willen und das nötige Kleingeld?

Auf jeden Fall. Man muss sich bewusst sein, dass der Weg lang und beschwerlich ist. Der ersehnte Reichtum und der Ruhm kommen sehr lange nicht, wenn sie überhaupt eintreten.

Wie haben Sie diesen Weg gemeistert? Gab es oft Zweifel?

Ja, es gab tatsächlich Zweifel. Manchmal wollte ich es einfach hinschmeißen, es ist anstrengend und mühsam. Doch erstens, gab es für mich keine andere Alternative, da ich zu faul war etwas anderes zu studieren und keinen Abschluss hatte und zweitens, sobald ich auf der Bühne stehe und den Applaus höre, das Publikum sehe, ist alles vergessen. Ich bereue meinen Weg nicht und der Beruf ist mein Traum.

Als Choreograph müssen sie auch mit den Tänzern umgehen können. Sie meinten auch, die richtigen Proportionen wichtig wären entscheidend. Man spricht oft im Zusammenhang mit Ballet über Anorexie und Bulimieerkrankungen, wird die Realität dem gerecht oder ist es nur ein missgünstiges Klischee?

Leider nein, als Balletttänzer muss man dünn sein. Vor allem als Frau muss man gehoben und geworfen werden können. Natürlich muss man nicht anorektisch werden, doch ist es für viele schwer ihre Figur und ihr Gewicht zuhalten. Ich kenne viele Ballerinen die magersüchtig oder bulimisch sind.

Vor allem für mich als Choreograph ist es schwierig. Ich muss den Tänzern sagen „Du musst leicht sein! Du musst dünn sein!“ Aber auf eine sensible Art, damit es nicht zu diesen Erkrankungen kommt.

Also sind Kohlenhydrate und Fast Food tabu?

Erlaubt ist alles, man muss nur sein Gewicht halten. Das Training eines Balletttänzers ist hart und dafür braucht der Körper auch Nährstoffe von denen er zehren kann.

Das klingt alles sehr kompliziert für einen Laien. Aber nun zurück zu Ihnen und ihrer Arbeit. Was fasziniert Sie so sehr an ihrer Arbeit?

Ich mag es, dass ich mich immer weiter verbessern kann, immer weiter lernen kann. Da ich vierzehn Jahre lang selbst Tänzer war, kann ich den TänzernInnen meine Erfahrungen weiter geben.

Gab es einige Rollen die Sie getanzt haben, die ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Hmm,… (er überlegt angestrengt) da gab es viele. Eine besondere Herausforderung war es für mich den Romeo zu tanzen. Er ist ein sehr weicher, süßer Charakter, dass lag mir nicht besonders. Ich bin nicht weich, ich tanze lieber böse, harte Charaktere. Das liegt mir eher.

In Graz tanzte ich einmal den Prinzen in Dornröschen, das habe ich sehr genossen. Allerdings ist genießen nicht immer gut, da man sich dabei nicht all zu sehr anstrengt.

Würden Sie sagen, dass ihre früheren Stücke sie in ihren heutigen Choreographien beeinflussen? Bzw. lassen Sie sich in ihren Choreographien von jemandem beeinflussen?

Natürlich, beeinflussen mich die früher getanzten Stücke. In manchen Choreographien berufe ich mich auf Bewegungen, die sich sehr gut einarbeiten lassen. Es gibt sehr viele gute Choreographen, einige die mich beeinflussen sind zum Beispiel: Mats Ek aus Stockholm, Jiří Kylián aus Holland oder William Forsythe aus Deutschland.

Man spricht immer vom strengen russischem Ballet, ihre Ausbildung lag mehr im latino Bereich. Würden Sie sagen es besteht ein Unterschied zwischen diesen beiden Balletten?

Das ist schwer zu beschreiben, beide Balletarten sind sehr gut. Nur, auf mich wirkt das russische Ballet eher kalt und das latino Ballett eher warm, leidenschaftlich. Dieses Temperament ist mehr nach meinem Geschmack.

Vielen Dank, für das geduldige Fragen beantworten. Zum Schluss nur noch eine persönliche Frage. Was würden Sie jungen Menschen sagen, die Ballettänzer werden möchten?

Sehr früh anfangen, je jünger man ist, wenn man anfängt umso besser. Man darf diesen Weg aber nicht blind gehen! Es ist ein langer, komplizierter Weg. Der Ruhm kommt sehr spät, wenn überhaupt. Sucht euch gute Lehrer, die euch richtig trainieren und übt euch in Disziplin.

 

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