Tjara-Marie Boine/ März 8, 2020/ Welt

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Heute ist der 08. März 2020. Ein besonderer Tag – denn heute ist internationaler Weltfrauentag. Anlässlich zu diesem Tag stellt euch unsere Autorin sechs Bücher vor, die man unbedingt gelesen haben sollte, wenn es um das Thema Feminismus geht. Und nein liebe Männer – dieser Artikel ist nicht nur für Frauen. Denn ob man es glaubt oder nicht: auch Männer können Feministen sein.

Der erste Weltfrauentag fand übrigens am 19.03.1911 statt und wurde dann ein paar Jahre später auf den 08. März gelegt. Initiiert wurde der Tag von der deutschen Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin. Dabei ging es ihr nicht nur um Gleichberechtigung, sondern auch um das Frauenwahlrecht. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Frauen nämlich in nahezu keinem Land der Welt das Recht wählen zu gehen. So viel zum Beginn des Feminismus. Nun folgen die Buchtipps.

1. Margarete Stokowski: Untenrum frei

Man könnte meinen heutzutage seien wir alle vollkommen sexuell befreit. Schließlich begegnen uns nackte Frauenkörper überall: an Bushaltestellen, in Werbung über Hundefutter (ja wirklich!), Mietwägen oder Joghurt. Trugschluss, sagt jedoch Margarete Stokowski. Befreit sind wir höchstens untenrum. Denn irgendwie fällt es uns dann doch leichter übers Essen zu reden als über Sex. Dabei beginnt sie mit dem Beispiel, dass sie selbst als kleines Mädchen beim Fahrradfahren stürzt und sich „untenrum“ verletzt. Peinlich berührt, weil sie nicht weiß wie sie darüber reden soll, erzählt sie es einfach niemandem. Im Buch „Untenrum frei“ spricht Stokowski deswegen genau das an: die kleinen schmutzigen Dinge, über die man dann doch lieber nicht redet. Damit zeigt sie, dass wir doch alle gar nicht so sexuell befreit sind wie wir denken. Der leicht sarkastische und schlagfertige Ton der Autorin macht das Buch wirklich lesenswert. Außerdem hat man das Gefühl einen neuen Blickwinkel auf die Welt und den darin versteckten Mechanismen zu bekommen.

Margarete Stokowski: „Untenrum frei“. Rowohlt, Reinbek. 256 Seiten, 19,95 Euro.

„Die Autowerbung, die zu Werbezwecken einen jungen Mann lasziv an einer Kühlerhaube knabbern lässt, muss erst noch gegründet werden.“

Margarete Stokowsi

2. Sophie Passmann: Alte weiße Männer – ein Schlichtungsversuch

In „Alte weiße Männer – ein Schlichtungsversuch“ geht die Autorin und Radiomoderatorin Sophie Passmann auf die Suche nach dem alten weißen Mann. Denn dieser scheint das Feindbild des Feminismus zu sein, ohne, dass jemals festgelegt wurde, wer oder was der alte weiße Mann überhaupt sein soll. Für Passmann ist es eher „das Gefühl der Überlegenheit, gepaart mit der scheinbar völligen Blindheit für die eigenen Privilegien“, dass dieses Bild ausmacht. Deshalb begibt sie sich bei ihrer Recherche auf die Suche nach der Frage, wann ein mächtiger Mann ein alter weißer Mann werde und ob man dies verhindern könne. Dabei trifft sie sich mit verschiedenen bekannten Männern und spricht mit ihnen über Sexismus, Feminismus, Gender-Pay-Gap und die Frauenquote. Unter anderem mit Marcel Reif, Kevin Kühnert und Robert Habeck. Was dabei rauskommt ist nicht nur unglaublich informativ, sondern auch wirklich witzig geschrieben und bringt einen an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln. 

Sophie Passmann: „Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch“. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2019. 304 Seiten, 12,00 Euro.

3. Caroline Criado-Perez: Unsichtbare Frauen – wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert

In ihrem Buch „Unsichtbare Frauen – Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“ zeigt Caroline Criado-Perez mit unglaublich vielen Beispielen und Statistiken aus der ganzen Welt auf, wie das weibliche Geschlecht im Alltag vergessen wird. Beispielsweise beim Bau von Toiletten: Herrentoiletten haben meistens sowohl mehr Kabinen als auch Urinale. So können sie pro Quadratmeter von mehr Personen gleichzeitig genutzt werden als bei Damentoiletten. Das Problem wäre sogar selbst bei der gleichen Anzahl von Kabinen nicht gelöst, da Frauen für die Benutzung aus anatomischen, biologischen und gesellschaftlichen (beispielsweise aufgrund der Mitnahme von Älteren und Kindern) Gründen statistisch gesehen zwei bis drei Mal so lange brauchen wie Männer. Das ist ungerecht, aber nicht lebensbedrohlich. Anders als beim Autodesign. Denn so gut wie alle Autocrashtests werden mit einer Puppe des „durchschnittlichen männlichen Prototyps“ getestet. In der EU müssen fünf solcher Tests durchgeführt werden, bevor ein Auto auf den Markt kommt. In keinem wird eine anthropometrisch korrekte weibliche Puppe verlangt. Das führt dazu, dass Frauen sich mit einer 47% höheren Wahrscheinlichkeit bei Autounfällen schwer verletzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dabei stirbt, sei um 17% höher als bei Männern. Mit diesen und Hundert weiteren Beispielen löste „Unsichtbare Frauen“ von Criado-Perez im englischsprachigen Raum eine Welle der Entrüstung aus. Nun ist es auch auf Deutsch erschienen und gehören zu den „Must-Reads“ feministischer Lektüre.

Caroline Criado-Perez: „Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert.“ Btb 2020. 515 Seiten, 15,50 Euro.

4. Margarete Stokowski: Die letzten Tage des Patriarchats

Ja, schon wieder ein Titel von Margarete Stokowski. Man kann sagen, die Frau hat’s einfach drauf. „Die letzten Tage des Patriacharts“ ist eine Sammlung von Essays, die über die Jahre auf Spiegel Online erschienen sind. Die Texte sind meist recht kurz und umfassen nicht mehr als vier Seiten, weswegen man sie gut lesen kann. Wieder formuliert sie Themen wie Gender Studies, Political Correctness, Pornos, Rassismus, Feminismus und den Umgang mit Macht, Sex und Körper amüsant und gestochen scharf.

Margarete Stokowski: „Die letzten Tage des Patriarchats.“ Rowohlt Buchverlag, 2018. 320 Seiten, 12,00 Euro.

„Liebe Männer, die guten Zeiten sind vorbei. Ob sie wirklich gut waren, die Zeiten, mag eine Frage des Standpunkts sein. Aus Sicht vieler Frauen waren es zumindest keine guten Zeiten, und die Endzeit des Patriarchats scheint nun doch endlich — nach vielen gescheiterten Versuchen — endgültig eingeläutet zu werden.“

Margarete Stokowski

5. Rebecca Solnit: Men Explain Things To Me

Die Amerikanerin Rebecca Solnit beginnt ihr Buch „Men Explain Things To Me” mit einer Geschichte, die wahrscheinlich schon einigen Frauen so oder so ähnlich passiert ist. Auf einer Dinner-Party fragt ein Mann sie nach ihren Büchern. Gerade will sie anfangen von ihrem neusten Buch über Eadweard Muybridge zu erzählen, da fällt der älteren Herr ihr ins Wort und beginnt selbst, von einem Buch über Muybridge zu erzählen, das im selben Jahr erschienen ist. Schnell wird Solnit klar, dass es ihr eigenes Buch ist – eine Möglichkeit, die dem Mann nicht in den Sinn zu kommen scheint. Auch Hinweise bringen ihn zunächst nicht aus dem Konzept, er redet einfach weiter. Als er es dann doch irgendwann mitbekommt, kommt heraus: er hat das Buch nie gelesen, sondern nur einen Artikel darüber im New York Review. Eine hübsche Gegebenheit mit einer guten Pointe, wäre da nicht der symptomatische Kern – ein Kern, der sogar noch ein bisschen über das hinausgeht, was in den letzten Jahren, anhand von Begriffen wie „mansplaining“, kritisch verhandelt wurde. Solnit fächert hier in mehreren Essays eine ganze Reihe von Problemen auf, die mit dem Rollenbild der Frau in unseren Gesellschaften und patriarchalen Strukturen zu tun haben.

Rebecca Solnit: „Men Explain Things To Me“. Haymarket Books , 2014. 130 Seiten. 10,00 Euro.

6. Scarlett Curtis: The future is female – was Frauen über Feminismus denken

Das Werk “The future is female” von Scarlett Curtis enthält eine Sammlung von Beiträgen zum Thema Feminismus. Dabei kommen Frauen des 21. Jahrhunderts zu Wort, die nicht fachlich erklären was Feminismus ist, sondern ihre Emotionen und Gefühle in den Vordergrund stellen. Dabei sprechen sie über Fragen wie „Was ist Feminismus für mich persönlich?“, „Wann war der entscheidende Punkt in meinem Leben, als ich erkannte, dass ich Feministin bin?“, „Was bedeutet es eine Frau im 21. Jahrhundert zu sein?“ und über die Momente in ihrem Leben, die dafür gesorgt haben, dass die Ungleichbehandlung der Geschlechter sich bemerkbar gemacht hat. Dabei geht es der Autorin nicht darum zu belehren, sondern um die Perspektive und, mit den Texten eine Inspiration für andere Frauen zu sein. Mit dabei sind Texte von Aktivistinnen, Schauspielerinnen wie Emma Watson und Keira Knightley und Frauen aus verschiedensten Ländern. Dabei ist jeder einzigartig und vermittelt den Kern des Feminismus: alle Geschlechter sind gleich. Alle Menschen sind gleich.

Scarlett Curtis: „The Future Is Female. Was Frauen über Feminismus denken.“ Goldmann Verlag, 2018. 416 Seiten. 12,00 Euro.

„Ich begann zu verstehen, dass das, was mir passierte, ein winziger Tropfen in einem Ozean voller Leid, Bewegung und Veränderung war. Ich begann zu verstehen, dass Gleichberechtigung keineswegs etwas Vergangenes war, sondern ein weit entfernter Zukunftstraum. Ein Traum für den Generationen von Frauen und Männern gekämpft hatten und weiterhin tagtäglich kämpften.“

Scarlet Curtis

Alle Geschlechter sind gleich. Dieser schöne Schlusssatz fasst die Thematik gut zusammen. Im Feminismus geht es nicht darum, dass Frauen allein an die Macht kommen oder die Männer verdrängen wollen. Auch wenn viele Männer das immer noch glauben. Ganz im Gegenteil: Es geht dabei um Gleichberechtigung, um die Gleichstellung von Männern und Frauen. Die Thematik des Feminismus ist unglaublich weitläufig, sodass man sich schnell darin verlieren kann. Bei der schier unendlichen Auswahl an Büchern, die sich mit der Thematik beschäftigen, sind der Autorin diese sechs Bücher besonders in Erinnerung geblieben. Welche Bücher sollte man eurer Meinung noch unbedingt gelesen haben? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Text und Bilder: Tjara-Marie Boine
Titelbild: Unsplash, Lindsay LaMont

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