„Nachvergangenheit“ – poetisch-politisches Theater

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Das Bühnenbild schreit nach Umbruchsstimmung, 75 Minuten Spieldauer, ein Monolog: Im Theaterstück „Nachvergangenheit“ durchlebt das Publikum mit Ulrike die Phasen eines (Nicht-) Ausstiegs aus der rechten Szene. Dabei schafft die Kombination von Politik mit Poesie in einer ausgefeilten Inszenierung eine eindringliche Bühnendarbietung. Am Samstag, den 24. November ist die Produktion noch einmal zu Gast im Bogentheater. Die Zeitlos war bei der Generalprobe dabei.

 

Ahnungslos, gemäßigt, extrem

Ulrike lebt in einem soliden Umfeld: Schule, Eltern, Freunde, das ist schon alles ok. Aber trotzdem schlummert da der Wunsch dazuzugehören, so richtig. Teil von etwas zu sein, einer Gemeinschaft. Schritt für Schritt rutscht Ulrike in die rechte Szene. Ahnungslos, gemäßigt, extrem, von der Mitläuferin, zum Mitglied, zur Parteivorsitzenden. Dann Ausstieg, Rückfall, erneuter Ausstieg, … Nachvergangenheit.

Die Zeit verstummt nie, sie füllt Leere mit Ereignissen, Leere mit Erleben.“

 

Von innen heraus verstehen

Viele Medien nähern sich der Aussteiger-Thematik aus der Außenperspektive, indem sie von Drohungen, Gewaltattacken, Arbeitslosigkeit und Depression berichten.  „Nachvergangenheit“ beleuchtet dagegen das Innenleben der Protagonistin. Über die Darstellungen aus Ulrikes Gedanken- und Gefühlswelt, versucht das Theaterstück ihre Handlungen nachvollziehbar zu machen. Dies war auch das Ziel von Regisseurin Sarah Milena Rendel, als sie das Stück verfasste: „Ich wollte das alles verstehen.“ Seit Juli 2018 arbeitet sie gemeinsam mit Darstellerin Rebecca Heinrich an der schauspielerischen Umsetzung. Am Donnerstag, den 15. November 2018 fand schließlich die Premiere im Bogentheater statt.

Das Schöne ist eine Fiktion in einer hässlichen Welt.“

 

Poetisch, kritisch, eindringlich

Mit „Nachvergangenheit“ schafft es Sarah Milena Rendel erneut, ein politisches Theater sowohl kritisch als auch einfühlsam auf die Bühne zu bringen. Mag der Handlungsverlauf in den ersten Szenen noch etwas verwirrend erscheinen, so fügt sich Schritt für Schritt das Bild um Ulrikes (Nach)Vergangenheit zusammen. Bereits die ersten Sätze fesseln einen an die Lippen der Darstellerin Rebecca Heinrich, die den Monolog aus emotionalen Höhen und Tiefen facettenreich wie authentisch spielt. Ein ernstes Thema, verpackt in schöne Sprache und exzellentes Schauspiel – absolut hören- und sehenswert.

„Zu ängstlich zum Fliegen, zu stolz um am Boden zu bleiben.“

 

Nächste und letzte Aufführung am Samstag, 24.11.2018
Beginn um 20 Uhr
Eintritt 12 Euro/ 10 Euro ermäßigt
Tickets unter www.bogentheater.at

 

Weitere Fotos:

„Ich garantiere Ihnen, dass ich mich für unser Land verpflichten werde.“

 

„Steine, die zu Sand werden und Berge, die Vulkane sind, zu ängstlich, um auszubrechen.“

 

„Keine Gegenwart, denn sie stirbt für eine Idee einer vermeintlichen Zukunft.“

 


Fotos: Lisa Probst

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