Hof, die Stadt der Lichtspiele

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Wenn ich in Innsbruck von meinen Sommern in Hof berichte, erhalte ich meist eine der beiden Reaktionen: A) Meine Gesprächspartner wissen nicht, dass es sich bei besagtem Hof überhaupt um eine Stadt handelt oder B) irgendjemand hat ihnen erzählt, dass es dort nichts zu sehen und noch weniger zu erleben gibt. Ich bin in den Weihnachtsferien zum dritten Mal nach Hof gereist. Langweilig? Wurde mir bei keinem Besuch.

Die Stadt Hof liegt im Nordosten von Bayern und ist mit ungefähr 45.000 Einwohnern, die drittgrößte Stadt in Oberfranken. Im August 2016 bin ich erstmals dorthin gefahren, um ein Praktikum bei der Frankenpost, einer Hofer Tageszeitung, zu machen. Das erste was ich von Hof sah, war ein rotes Backsteinhaus nahe der Eisenbahngleise. Nachmittags verschwindet die Sonne hinter den ohnehin dunklen Häusern. Als ich dem Verlauf der Marienstraße folge, zeigt sich mir Hof jedoch in einem vollkommen anderen Licht. Es scheint, als würde ich die bunten Häuser durch ein gefülltes Bierglas erblicken.

Die Marienstraße ist ein Irrgarten aus Einbahnstraßen, der Neuankömmlinge verzweifeln lässt.

 

Am darauffolgenden Tag erwartet mich die Maß: Anfang August ist nämlich die Zeit des Hofer Volksfests. Die Straße neben der Freiheitshalle, einer Veranstaltungshalle, wird ungefähr zwei Wochen lang gesperrt und von einem ebenso hohen Zelt belagert, dessen braun bemalte Innenwände an eine traditionelle ländliche Kneipe erinnern. Daneben befindet sich das Dorf der tausend Lichter: der Rummelplatz.

„In Oberfranken ist das Hofer Volksfest sehr bekannt. Die Gäste kommen auch aus größeren Städten der Region“, erzählt Lukas Weber. Er stammt aus Berg, einem Dorf in der Nähe von Hof, und studiert Soziologie in Bayreuth. Der Volksfest-Besuch hat für ihn und seine Freunde Tradition. Trotzdem ist es ihm wichtig, die Stadt nicht auf dieses Event zu reduzieren. „In Hof gibt es alles was man braucht. Nur ein Internetlieferservice für Essen fehlt“, erzählt der 22-Jährige.

Break Dance und andere Fahrgeschäfte locken mit Adrenalin-Infusionen.

 

Abgesehen von guten Feiern erfreut sich auch das Medium Film in Hof großer Beliebtheit. Der Oktober steht im Zeichen der Internationalen Hofer Filmtage, einem der größten Filmfestivals in Deutschland. Den Schwerpunkt bilden deutsche Filme, aber auch ausländische Produktionen werden vorgeführt. „Wir freuen uns jedes Jahr wieder auf die Hofer Filmtage“, sind sich Sören Göpel und seine Partnerin Stefanie Schulze einig. Beide arbeiten in der Hofer Medienbranche und haben sich bei den Filmtagen kennengelernt. „Für diese Veranstaltung nehmen wir uns jedes Jahr frei“, erzählt Sören. Um diesem Event einen dauerhaften Platz in der Stadt zu geben, wurde eine Lichtsäule in der Poststraße errichtet. Umso näher das Festival rückt, umso heller leuchten die Lichter. Wenn die letzte Vorführung der Filmtage vorüber ist, erlischt sie und beginnt von vorne hochzuzählen.

Die Lichtsäule wurde im Oktober 2017 eingeweiht.

 

Das Paar ist vor einem Jahr in ihr neues Haus in Hof eingezogen. Sie glauben, dass die Stadt in den kommenden Jahren aufblühen wird. „Hier ist noch Platz für kreative Köpfe und deren Ideen“, erklärt Sören. Denn: Die Lebenserhaltungskosten sind gering und die Grundstücke billig.

Äußere Bayreuther Straße: Blick auf die Stadt Hof.

 

Das Hofer Volksfest und die Internationalen Hofer Filmtage sind Highlights in Hof. Doch auch wenn diese nicht in der Stadt sind, können unvergessliche Erinnerungen entstehen. Die Menschen müssen nur aufhören außergewöhnliche Auffälligkeiten an jeder Straßenecke zu suchen und den Blick auf das ganz gewöhnliche Schöne richten.

In Hof wurden die Stromverteilerkästen bunt bemalt.

 

Die Fischergasse: Vor allem an warmen Sommertagen breitet sich hier Urlaubsstimmung aus.

 

Das Scala Filmtheater schickt den Besucher auf eine Zeitreise in die Anfangsphase der Lichtspielhäuser.

 

Das Galeriehaus Hof: Ein kleiner Farbklecks zwischen grauen Häusern.

 

Fotos: Christina Vettorazzi

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