Mehr als Gras und Tulpenzwiebeln – Ein Wochenendtrip nach Amsterdam

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Gras und dazwischen vielleicht ein paar Tulpen: So ist Amsterdam – zumindest, so scheint es, dem Klischee nach. Dabei hat die Grachtenstadt vieles, vieles mehr zu bieten. Die Zeitlos hat sich vier Tage lang auf Erkundungstour durch die holländische Hauptstadt begeben. Die wichtigsten Infos, Freizeit- und Geheimtipps und warum es unmöglich scheint, den Besuch ohne Grasbegegnungen zu überstehen? Lest selbst.

 

„Welkom in Amsterdam“

Venedig des Nordens: Die Grachten prägen das Stadtbild von Amsterdam.

 

Zweimal pro Woche, donnerstags und sonntags, gibt es Direktflüge von Innsbruck nach Amsterdam. Wer früh genug bucht, ist mit etwa 70 Euro dabei. Der Flug dauert eine gute Stunde. Außerdem kann schon der Weg zum Flughafen zum Erlebnis werden, denn wo sonst kann man, einfach mal mit dem Rad, direkt vor die Abflughalle fahren? Nach der Landung am Flughafen Amsterdam – Schiphol  kommt man mit dem Zug in kurzer Zeit ins Stadtzentrum. Der Hauptbahnhof begrüßt uns gleich als architektonisches Highlight. Inmitten des Gewusels in der Eingangshalle erklingt ein Musikstück von dem schwarzen Flügel mit der Aufschrift „Play me“, der bereitsteht, um sich öffentlich beklimpern zu lassen. Auf dem Bahnhofsvorplatz präsentiert sich uns schließlich der erste richtige Blick auf die Grachtenstadt. Und als wollte sie ihrem Ruf gerecht werden, zieht im selben Moment ein Windstoß einen süßlich-modrigen Geruch nach sich.

 

Pflichtprogramm

Besuchermagnet: Das Reijksmuseum beherbergt u.a. Rembrandts Meisterwerk „Nachtwache“

 

Auch wenn viele bei Amsterdam zuerst an Gras und Coffeeshops denken, hat die Stadt doch weitaus mehr zu bieten. Allein die Tatsache, dass das Stadtbild von seinem Netz aus Kanälen, den Grachten, bestimmt wird, macht das „Venedig des Nordens“ zu einer Besonderheit. Über zahlreiche Brücken verbunden, könnte man hier ewig durch die Gässchen und entlang der Grachtengürtel spazieren. An der Prinsengracht machen wir Halt im Anne-Frank-Haus. Das Museum erzählt die Geschichte Annes und ihres Tagebuchs, welches sie hier über zwei Jahre verfasste. Dabei kann auch das Versteck der Familie Frank besichtigt werden. Die Tickets sollte man unbedingt im Voraus online buchen. Kunstinteressierte sollten außerdem zumindest eine der beiden großen Sammlungen besuchen, das Van-Gogh-Museum oder das Rijksmuseum. Weitere Nachbarn auf dem Museumsplein sind das Moco und das Stedelijk Museum, welche wechselnde Ausstellungen aus der modernen Kunstszene beherbergt. Für die Kunstmuseen empfiehlt es sich ebenfalls, die Tickets online zu buchen, oder einfach früh da zu sein, um langen Warteschlangen zu entkommen.

 

Überleben

Die Zeitlos auf kulinarischer Entdeckungstour: Bitterballen in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen.

 

Amsterdam kann teuer werden – zumindest wenn man finanziell eher an das studentenfreundliche Innsbruck gewohnt ist. Übernachten lässt es sich noch relativ günstig. Bei Hostels lohnt es sich, auf eine zentrale Lage achten, dann spart man sich die Kosten für die Öffis. Gerade als Gruppe sollte man unbedingt frühzeitig die airbnb-Angebote checken. Zwar meist nicht ganz so zentral gelegen, lässt es sich so für wenig Geld und in individuellem Stil logieren, zum Beispiel auf einem Hausboot. Preiswert Essen und Trinken kann man im Szenenbezirk De Pijp und rund um das Rotlichtviertel (auch wenn es hier auf den ersten Blick essenstechnisch nur Fastfood-Imbisse und verrauchte Kneipen zu geben scheint). Zu unseren kulinarischen Highlights zählt das „CT coffee & coconuts“ mit seinen Frühstücks- und Snackvariationen. Unkompliziert und zwischen Einheimischen speist man auch in den Foodhallen, wo sich – neben traditionell holländischen Gerichten wie Bitterballen – die Küchen aus aller Welt treffen. Auch in puncto Verständigung ist Amsterdam international orientiert. Mit passablem Englisch kommt man hier sehr gut zurecht. Abgesehen davon ist Holländisch, in Schriftform wohlgemerkt, oft sogar recht gut verständlich und sorgt bei uns für den ein oder anderen Schmunzler.

 

Amsterdamer Originale

Auch unter den Rädern gibt es so manche Exoten.

 

Amsterdam ist eine Radfahrstadt. Wer im Sommer oder zumindest bei trockenem Wetter hierher kommt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, die Stadt mit dem Rad zu erkunden. So kann man nicht nur weitere Strecken zurücklegen, sondern fühlt sich beinahe einheimisch. Als typischer Touri erkennbar, ist man dagegen rund um die Buchstaben des „I amsterdam“. Wer hier ein Foto ohne Menschenmassen im Bild ergattern möchte, muss entweder sehr spät oder sehr früh zum wohl beliebteste Fotoobjekt der Stadt kommen. Hektisches Menschengetummel in seiner liebenswerten Variante erwartet uns dagegen in den IJ-Hallen im Stadtteil Noord, auf dem größten Flohmarkt Europas. Ein paar Gehminuten weiter erholen wir uns im „Noorderlicht“ vom morgendlichen Bummel. Das Café sieht von außen aus wie ein Gewächshaus, drinnen trifft sich die buntgemischte Alternativszene zu Kaffee und schöner Aussicht.

 

Zwischen Tulpenzwiebeln und Coffeeshops

In den „9 Straatjes“, den „Neun Straßen“ reihen sich hippe Cafés und individuelle Lädchen, Galerien und Start-ups aneinander.

 

Ein Wochenende ist bei weitem nicht genug, um Amsterdam mit all seinen Seiten kennenzulernen, reicht aber allemal, um einen Eindruck zu bekommen und dem Unialltag zu entfliehen. Obwohl wir nur knapp vier Tage dort verbracht haben, hat es sich uns als freundliche Stadt mit vielen Facetten präsentiert: Da sind die teuren Häuserreihen an der Prinsengracht, die zahlreichen Läden und Lokale, in denen ein Hauch von Kreativität und Innovation in der Luft liegt und das Rotlichtviertel, in dem die Damen ganz so selbstverständlich in ihren Schaufenstern um Freier werben. Da werden Tulpenzwiebeln verkauft, dort wartet der nächste Coffeeshop. Inmitten von alledem verlaufen romantisch die Grachten und immer wieder weht dieser unverkennbar süßliche Duft vorbei…

 

Sonniger Start am Innsbrucker Flughafen.

 

Typisch Amsterdam: Die Grachten

 

Tulpen aus Amsterdam: Die Zwiebeln der Liliengewächse werden an jeder Ecke als beliebtes Reisesouvenir angepriesen.

 

Kiffen in Amsterdam: Wie die Tulpen gehören heute auch die Coffeeshops zur Stadt.

 

Brücke an Brücke: Angeblich gibt es in Amsterdam mehr davon als in Paris und auch mehr Kanäle als in Venedig.

 

Die Prinsengracht zählt zu teuersten Wohngegenden in Amsterdam.

 

Die Prinsengracht im Abendlicht: In der Häuserreihe links befindet sich das Anne-Frank-Haus.

 

Schild am Eingang zum Anne-Frank-Haus

 

Altehrwürdig: Das Reijksmuseum am Museumsplein

 

Moderne Kontraste: Das Moco zeigt zurzeit Werke des Streetart-Künstlers Banksy.

 

Radstadt: Die Radständer am Fährhafen von Amsterdam zeigen, welchen Stellenwert das Fortbewegungsmittel hier hat.

 

Außergewöhnliche Designs gelten als wirksamer Schutz vor Raddieben.

 

„Bitte Lächeln“ rund um die Buchstaben des „I amsterdam“

 

Entspannte Stimmung beim Brunch im „CT Coffee & Coconuts“

 

Ab den frühen Abendstunden wird der Bezirk De Wallen wahrlich zum Rotlichtviertel.

 

Der Flohmarkt in den IJ-Hallen ist ein Paradies für Schnäppchenjäger und Trödelliebhaber.

 

Außen Gewächshaus, innen Café: Das „Noorderlicht“

Fotos: Lisa Probst

 

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