do not enter

Sehnsüchte im Postfach

Share

Jeder kennt sie, keiner mag sie. Nein, es geht nicht um die Südtiroler Studierende, die Innsbruck nur an den Tagen von Montag bis Donnerstag kennen und dann den Innsbrucker Bahnhof belagern. Nein, ich spreche von Spam-Mails. Die besagten Südtiroler/innen sind zwar ähnlich lästig, allerdings wollen die (wenigstens meistens) nichts von mir. Anders als die Spam-Mails. Warum nur?

Sobald man eine E-Mail-Adresse hat und sich irgendwo damit anmeldet, wird man auch schon vollgemüllt. Gelegentlich mit durchaus interessanten, wenn auch sinnlosen Informationen. Aber auch mit gefühlten Millionen Spam-Mails. Die meisten erkennt mein E-Mail-Dienst und verfrachtet sie in den entsprechenden Spam-Ordner. Müsste ein/e Psychiater/in anhand der Spam-Mails meine Persönlichkeit erraten, was würde sie oder er wohl über mich denken? Folgendes Profil wäre möglich: große Probleme mit dem Sexleben („Bestellen Sie Sexmedizin“), auf der anderen Seite aber ein großartiger Liebhaber („Lolita braucht dich“), weiblich („Buy Your Women’s Naveah Short Boot with Bow“), mit einem Alkoholproblem („Likör zu sehr günstigen Preisen“), ein von Glück beseelter Mensch („Herzlichen Glückwunsch, Sie haben £750.000 gewonnen“), mit ausgezeichneten Kontakten nach Syrien („I am Asma al-Assad, the wife of Bashar Hafez al-Assad of Syria“) und dessen Bankkonto wohl in Kürze geschlossen wird („[…] nach Ablauf einer Frist von 14 Tagen vorsorglich Ihr Konto sperren.“). Nun ja, lassen wir das mal unkommentiert so stehen. Die Frage, die ich mir dabei aber stelle, ist: wie kommen diese Mails in meinen Posteingang? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich jemals mit einem sechststelligen Pfund-Betrag eine feuchtfröhliche Party mit Lolita und Co. in Syrien gefeiert hätte.

 

Was bedeutet Spam überhaupt?

Das Wort SPAM war ursprünglich der Markennamen für britisches Dosenfleisch (SPiced hAM), welches während dem Zweiten Weltkrieg in Überschuss vorhanden und omnipräsent war. Den endgültigen Durchbruch aber schaffte dieser Begriff 1970 durch den legendären Spam-Sketch der britischen Komikergruppe Monty Python. In diesem besucht ein Ehepaar ein Lokal, in dem alle Speisen mehr oder weniger aus Spam bestehen. Dieses Wort wurde dabei so inflationär verwendet, dass es sich schließlich für die Bezeichnung von ungewünschten Massenmails zu Werbezwecken durchsetzte.

 

Wie die Spam-Mail im Posteingang landet

Woher kommen nun diese Massenmails bzw. woher kennen die Versender/innen meine E-Mail-Adresse? Zwei Möglichkeiten sind hier zu nennen.

Eigenverschuldung

Die einfachste Antwort: bewusst oder unbewusst habe ich meine E-Mail-Adresse im Internet veröffentlicht. Konkret bedeutet dies, dass ich vielleicht meine Mailadresse leichtfertig in z.B. einem Internetforum veröffentlicht habe und mithilfe eines Programms wurde diese von Spammer/innen gefunden und wird nun dafür genutzt, um mich mit Lolita zu verführen.

Da ich mich aber nicht erinnern kann, jemals so leichtfertig gewesen zu sein, könnte wohl der Grund darin liegen, dass ich meine E-Mail-Adresse für die Registrierung auf irgendeiner Internetseite verwendet habe, auf der keine Datenschutzbestimmungen aufgeführt waren. Dies kann in der Folge dazu führen, dass meine Daten an Dritte weitergegeben wurden und diese mich nun mit der Familie Assad in Verbindung bringen wollen.

 

Fremdverschuldung

Zweite Möglichkeit ist ärgerlicher, da unverschuldet Fremde meine Daten erhalten. So wäre es möglich, dass die E-Mail-Adresse einer Person, mit der ich im E-Mail-Kontakt stehe (oder stand), von einem/einer Spammer/in gehackt oder angegriffen wurde. Wird der Account meines Kontaktes nun gehackt, hat der/die Übeltäter/in Zugang zu all dessen Kontaktadresse und kann nun mit großer Genugtuung Mails verschicken. Das niederträchtige dabei ist, dass die Mails im Namen der gehackten Person versendet werden und ich als Empfänger/in davon nichts weiß und die Mail bedenkenlos öffne. Sofern es sich nur um z.B. kommerziellen Spam handelt ist es nicht weiter schlimm. In Kombination mit einem Trojaner aber sieht die Sache schon wieder anders aus. Daten adieu!

Eine weitere Möglichkeit in diesem Zusammenhang wäre außerdem, dass durch einen Hacker/innenangriff auf ein Unternehmen, welches meine Daten hat, ebendiese Daten gestohlen werden und diese auf diesem Weg an Dritte weitergegeben werden. Angesichts dessen, dass z.B. immer wieder enorme Datenmengen aus Internetfirmen gestohlen werden, ein nicht gänzlich unwahrscheinliches Szenario.

 

Versöhnliches Ende

Die einzig wirkungsvolle Möglichkeit, um Spam-Mails zu verhindern, ist schlichtweg keine E-Mail-Adresse zu haben. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Was also soll bzw. kann man dagegen tun? Darauf muss wohl jede/r selbst eine Antwort finden. In meinem Fall probiere ich es mal mit Resignation und Akzeptanz. Außerdem, wer weiß, vielleicht kann es ja auch einmal von Vorteil sein den Kontakt von Lolita zu haben, um anschließend gemeinsam, von Likör berauscht, mit einem unverhofften Gewinn über £750.000 nach Syrien zu fliegen, um dort mit Asma al-Assad Sexmedizin und Handtaschen zu besorgen, nur um am Ende zu merken, dass ich die 14-Tagesfrist vergessen habe und mein Bankkonto bei einer Bank, bei der ich kein Konto habe, gesperrt wurde. Schöne Sch***e!

 

Bilder: AT Mail Virus Virus Warning Trojan Worm von geralt via Pixabay unter CC0; Post Danmark von Tiberiu Ana via Flickr unter CC BY 2.0; SPAM von timag via Flickr unter CC BY-NC 2.0; Spam Mail Email Mailbox Garbage Trash Junk von cattu via Pixabay unter CC0; Two Types of Wine White Wine Glass Grapes Bottle von Photo-Mix via Pixabay unter CC0

Share