(IMHO #33) Oh Konsumschlacht, oh Konsumschlacht…

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Nein, ich denke nicht, dass man sich an Weihnachten „endlich mal wieder zurückbesinnen sollte“ auf das Wesentliche (Jesus Christus hat vor 6258 Jahren eigenhändig eine Nordmanntanne gefällt, oder so ähnlich). Aber die völlig verfrühte Zelebrierung sämtlicher Kitsch-Rituale ist einfach nur schwer erträglich. Warum? Deshalb:

 

  1. Glühwein

…Oder sollten wir eher sagen: Zuckerwasser mit ein bisschen Alkohol? Jeder weiß, dass Alkohol schneller ins Blut geht, wenn viel Zucker drin ist, und das Rezept geht auch beim Glühwein auf. Deshalb fußt auch der massive Ansturm auf Fischerhäusl & Co rein auf der Sehnsucht nach dem schön dröseligen Gefühl, dass sich gleichermaßen nach einem Bier, einem Wein oder eben einem überteuerten und klebrigen „Glühwein“ einstellt. Warum also sollte ich mir die Füße abfrieren, während tausend andere gestresste Studenten um mich herumdrängeln? Da ein Bier aus dem Kühlschrank sowieso die gleiche Temperatur hat wie ein Glühwein, der nicht innerhalb von zwei Minuten hinuntergestürzt wird, kann man auch gleich in gemütlicher Runde im warmen Wohnzimmer beim Bier (oder beim selbstgemachten Glühwein!) bleiben. Ist billiger.

 

  1. Kiachl

 

Wer erst nach ein paar Tassen Glühwein den „Scheißegal-was-in-meinem-Geldbeutel-übrigbleibt“-Status erreicht hat, taumelt weiter in Richtung Kiachl-Stand. Dort kann man sich dann eine frittierte Pampe aus Weizenmehl, Zucker und Fett abholen. Wer sich auch immer den Namen „Kiachl“ ausdachte, meinte entweder eigentlich eine kleine Kirche und wurde schrecklich missverstanden, oder hat sich im Moment des Geistesblitzes verschluckt. Für eine zuckrige, frittierte Teigmasse sollte niemand auch nur annährend so viel zahlen, wie einmal Essen in der Mensa kostet. Da dies aber nicht der Fall ist – Tschüss Weihnachtsmarkt, ich geh’ dann mal ne Runde selbstgebackene Plätzchen futtern.

 

  1. Das Fest der Liebe

Oh, Hallo Kitsch. Wie ich dich vermisst habe. Danke, ich wusste schon, dass sich Menschen ineinander verlieben. Das tun sie nämlich auch im Frühling und Sommer. Wer schätzt es schon wirklich, diese „Zeit der Familie, des Zusammenkommens, der Ruhe und des Beisammenseins“? Als ob. Wir rennen wie die Blöden durch die Kaufhäuser, um unseren „Liebsten“ noch irgendeinen ünnötigen Müll – alias Geschenke – zu besorgen, weil wir verlernt haben, wie wir wirklich unsere Zuneigung zeigen. Genießt doch einfach die Kälte, die es euch wieder ermöglicht, endlos zu kuscheln ohne zu schwitzen. Und seid nett zueinander. Dann braucht es auch keine kitschigen Geschenke.

 

  1. Weihnachtsmusik

Ähnlich wie an Fastnacht, im Après-Ski-Zelt oder auf Mallorca wird natürlich auch an Weihnachten großzügig an den schlechten Geschmack ausgeteilt. Als würden Radiosender nicht das ganze restliche Jahr schon für genügend Ohrwürmer sorgen, wird jetzt in der Weihnachtszeit erst so richtig nachgelegt. Wie wär’s, wenn man „Last Christmas“ diesbezüglich endlich mal wörtlich nimmt? Ah, danke. Ruhe.

 

  1. Weihnachtsfeiern

Ja, wir alle lieben sie: Von anderen organisierte Besäufnisse, äh Weihnachtsfeiern. Eine völlig aus dem Ruder gelaufene Weihnachtsfeier, an die man sich nur noch mithilfe seiner grölenden Freunde erinnern kann, scheint ein Muss im Lebenslauf zu sein. Auf dem Weg durch die Adventszeit sind Weihnachtsfeiern kleine alkoholdurchtränkte Inseln, auf denen sich der angesammelte Stress und Frust Bahn bricht.

 

 

  1. Weihnachtlicher Wirtschaftsboom

Konsumschlacht ist leider nicht nur einmal im Jahr. Neben Halloween, Ostern und dem Valentinstag ist die Weihnachtszeit lediglich eine weitere Hochphase des Konsums. Genau deshalb sollte man sich all die unnötigen Dinge, die man laut Verkaufsindustrie unbedingt braucht, einfach mal nicht kaufen. Denn – wie sagt man so schön – die Nachfrage bedingt das Angebot. Also lasst euch keinen Scheiß erzählen, denkt selbst und verzichtet auf tonnenweise Lebkuchen, der sowieso nach dem dritten nicht mehr schmeckt. Grabt besser euren alten Schlafsack aus und spendet ihn an Obdachlose, die ihn – anders als der Kapitalismus – wirklich brauchen können.

 

Also, nochmal zum Mitschreiben: Die Weihnachtszeit beginnt ursprünglich mit dem 1. Advent. Bis dahin genießt den Herbst, backt Plätzchen, esst Kastanien, trinkt Bier oder esst Maracuja-Eis. Oder was ihr sonst eben so machen wollt, wie das ganze restliche Jahr auch. Und wen am 1. Advent die Weihnachtsstimmung packt, der kann ja zur Erinnerung immernoch mal kurz das Radio anschalten. Für 2 Minuten.


Fotos: Beitragsbild: Kaufhaus Tyrol von Thomas Naas via flickr.com unter CC 2.0Zuckerbrot … 262/365 von Dennis Skley via flickr.com unter CC 2.0Kiachl (traditional Tyrolean snack) von Luca Hammer via flickr.com unter CC 2.0Coala Cuddles von Jelle Druyts via flickr.com unter CC 2.0, Jutta Stackelberg,  „It’s gonna be a damn rough night…“ von Vanessa Lynn via flickr.com unter CC 2.0iPhone 5c von Sascha Kohlmann via flickr.com unter CC 2.0

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